— Wahre Tugend verlangt Opfer — verkündete mein Mann feierlich, während er sich mit seiner ganzen Brust gegen einen riesigen Transportwagen aus Metall stemmte.
— Deshalb zieht die Waschmaschine zu meiner Mutter — fügte er deutlich leiser hinzu und schob den Wagen nach vorn.
Ich stand in der Wohnungstür und konnte einfach nicht begreifen, was ich da sah.
Mein Mann. Oleg. Der Mann, der sich normalerweise schon so verhält, als bräuchte er eine Operation wegen eines Leistenbruchs, sobald er etwas Schwereres als eine Computermaus heben soll. Und jetzt hatte er sich plötzlich in einen Helden der körperlichen Arbeit verwandelt.
Auf der geliehenen, rostigen Metallplattform thronte meine Waschmaschine.
Die Waschmaschine, die ich ausschließlich von meinen eigenen Ersparnissen gekauft hatte, lange bevor Oleg und ich uns im Standesamt die Ringe an die Finger gesteckt hatten.
Meine alte Maschine hatte jahrelang während des Schleudergangs die Angewohnheit gehabt, wie ein betrunkener Tourist durch das Badezimmer zu wandern. Deshalb hatte ich die neue besonders gehütet.
Und jetzt, sorgfältig in Folie eingewickelt, war sie gerade dabei, ihr Zuhause zu verlassen.
Männliche Selbstaufopferung ist wirklich ein faszinierendes Phänomen. Besonders dann, wenn jemand anderes die Kosten für dieses Opfer trägt.
— Wohin genau wird mein Eigentum eigentlich gebracht, wenn ich fragen darf? — fragte ich noch einmal, denn beim ersten Mal hatte mein Mann es so leise gesagt, als hätte er selbst gespürt, dass man solche Dummheiten besser nicht allzu laut ausspricht.
Oleg wischte sich mit dem Handrücken über die verschwitzte Stirn und sah mich an wie ein wohltätiger Millionär, der auf eine undankbare Bevölkerung blickt.
— Meine Mutter braucht sie dringender. Ihre Maschine klingt beim Schleudern, als würde sie gleich auseinanderfallen. Wir kaufen uns später einfach eine neue.
Das Wort „wir“ hatte im Wörterbuch meines Mannes eine ganz besondere Bedeutung.
Es bedeutete: Er hat die Idee, und ich bezahle.
Ein fantastisches Geschäftsmodell für eine Ehe.
— Verbietet es Tamara Iljinitjna vielleicht ihre Religion, einen Handwerker zu rufen? — fragte ich so ruhig, wie ich nur konnte.
— Meine Mutter meint, es hat keinen Sinn, diesen Schrotthaufen zu reparieren, wenn wir hier eine fast neue Maschine mit großem Fassungsvermögen haben — erwiderte Oleg und zeigte zum ersten Mal in seinem Leben eine solche Entschlossenheit, dass ich beinahe beeindruckt war.
Er klopfte auf die mit Folie umwickelte Waschmaschine.
— Ich habe das Wasser bereits abgestellt, die Schläuche abmontiert, das restliche Wasser abgelassen und einen Transporter bestellt. Der kommt gleich. Ein echter Mann trifft Entscheidungen schnell.
Ich war kurz davor zu lachen.
Das Familienleben lehrt einen eine wichtige Regel: Je lauter jemand über Großzügigkeit spricht, desto fester sollte man den Geldbeutel festhalten.
Ich machte keine Szene.
— Gut — nickte ich mit einem folgsamen Lächeln. — Warte eine Minute.
In Olegs Augen blitzte sofort Triumph auf.
Offensichtlich hatte er mit Tränen, Geschrei und einer Ehefrau gerechnet, die sich an irgendwelche Stromkabel klammert. Stattdessen bekam er diese friedliche Fügsamkeit.
Er reckte stolz die Brust heraus und wartete bereits darauf, dass ich ihm die Garantiekarte oder die Bedienungsanleitung bringen würde.
Doch ich ging nach oben in die Wohnung.
Ich holte den größten Koffer auf Rollen.
Dann begann ich ruhig und methodisch zu packen.
Hemden. Jeans. Unterwäsche.
Die Kleidung meines Mannes.
Danach stopfte ich ohne das geringste schlechte Gewissen auch noch seine teure Angelausrüstung hinein.
Mit einer Hand zog ich den Koffer, mit der anderen trug ich einen randvoll gefüllten Wäschekorb, in dem sich die seit Wochen ungewaschenen Sachen meines Mannes befanden.
Sein geliebtes orthopädisches Kissen klemmte ich mir fest unter den Arm.
Als ich wieder am Hauseingang ankam, war der Transporter noch immer nicht da.
Dafür saß bereits unser Nachbar, Gennadij Petrowitsch, auf der Bank.
Er war Rentner und hatte sein ganzes Berufsleben lang Haushaltsgeräte hervorragend reparieren können. Nun beobachtete er die Vorbereitungen mit so aufrichtigem Interesse, dass ich ihm praktisch ansehen konnte: Das würde seine Unterhaltung des Tages werden.
Ich stellte den Koffer neben die Waschmaschine, legte den Wäschekorb darauf und platzierte anschließend auch das Kissen obenauf.
Oleg starrte nur darauf.
Er blinzelte.
— Was ist das?
— Was denn? — lächelte ich freundlich. — Das Zubehör.
— Welches Zubehör?
— Na, mein Lieber, meine Waschmaschine wird nur als Komplettpaket zu deiner Mutter geliefert.
Ich klopfte auf den Wäschekorb.
— Dazu gehört der Hauptlieferant für schmutzige Socken.
Olegs Gesicht verhärtete sich.
— Danach kommt der leitende Spezialist für die Beschaffung von Waschmittel.
Unter dem Schnurrbart des Nachbarn zuckte bereits ein Lächeln.
— Zum Paket gehört außerdem die Person, die Wasser, Strom und den Verschleiß der Anlage bezahlt.
— Bist du völlig verrückt geworden?
— Ganz und gar nicht. Und natürlich fahren deine Sachen ebenfalls mit.
Ich deutete auf den Koffer.
— Du hast doch gesagt, ein echter Mann trifft schnell Entscheidungen. Ich habe deine großzügige Schenkung lediglich ein wenig ergänzt.
Oleg stand mit offenem Mund vor mir.
Gennadij Petrowitsch grinste inzwischen ganz offen.
Ich nahm mein Handy heraus und startete einen Videoanruf.
Tamara Iljinitjna nahm fast sofort ab. Offensichtlich hatte sie schon lange auf ihre große Beute gewartet.
— Oleg, mein Junge, wann bringst du sie endlich? — ertönte ihre zuckersüße Stimme aus dem Telefon.
— Tamara Iljinitjna, guten Abend! — lächelte ich strahlend und schob meinen Mann mit einer einzigen Bewegung zur Seite.
— Freuen Sie sich! Ich schicke Ihnen nicht nur die Waschmaschine, sondern auch Oleg mit dem kompletten Wartungspaket. Mit Kleidung, Angelausrüstung und seinem Lieblingskissen.
Olegs Augen wurden groß.
— Jetzt haben Sie jemanden, der die Knöpfe drückt, das Wasser anschließt, den Filter reinigt und nebenbei auch noch die Rechnungen bezahlt!
Tamara Iljinitjnas Gesicht veränderte sich innerhalb einer einzigen Sekunde.
Das freundliche Lächeln verschwand.
Die süße Stimme wurde durch etwas völlig anderes ersetzt.
— Welchen Oleg? — fauchte sie.
— Ihren Sohn.
— Was soll ich mit einem erwachsenen Mann?! Wohin soll ich den stellen? Meine Wohnung ist winzig! Auf dem Sofa stehen Schüsseln mit eingelegtem Gemüse! Und außerdem muss man einen erwachsenen Mann auch noch ernähren! Hast du gesehen, was ein Kilo Fleisch inzwischen kostet?

Einige Sekunden lang herrschte Stille.
— Wie schade — seufzte ich mitfühlend. — Dabei haben wir gerade ein Sonderangebot. Wer fremdes Eigentum übernimmt, bekommt automatisch den Sohn des Eigentümers dazu – inklusive Vollpension.
Da räusperte sich Gennadij Petrowitsch.
— Iljinitjna, was ist eigentlich mit deiner alten Maschine passiert?
Die Frau antwortete widerwillig:
— Beim Schleudern klappert sie, als wären Steine darin.
Der Nachbar kratzte sich nachdenklich am Kinn.
— Steine?
— Ja.
— Dann ist wahrscheinlich nur der Filter verstopft. Eine Münze, eine Haarnadel oder der Bügel eines BHs könnte hineingeraten sein. Unten den Filter aufschrauben, den Müll herausnehmen, ausspülen und wieder zuschrauben. Dauert ein paar Minuten.
Totenstille.
Olegs Gesicht wurde langsam dunkelrot.
Die ganze gewaltige Operation zur „Rettung der Mutter“ hatte sich innerhalb eines einzigen Augenblicks in eine lächerliche Farce verwandelt.
Und genau in diesem Moment kam endlich der Transporter.
Der Fahrer stieg aus und sah sich ungeduldig um.
— Haben Sie den bestellt? Laden wir jetzt endlich? Ich habe gleich den nächsten Auftrag!
Oleg sah verwirrt auf die Waschmaschine.
Auf den Koffer.
Auf den Wäschekorb.
Auf sein Kissen.
Auf den Nachbarn.
Dann auf mich.
— Na, wenn du dich schon entschieden hast, dann zieh es auch durch — sagte ich mit einem sanften Lächeln. — Nur die Route hat sich ein bisschen geändert.
Ich erklärte ihm den neuen Plan.
Zuerst sollte er den unnötigerweise bestellten Transporter aus eigener Tasche bezahlen.
Dann sollte er die Waschmaschine zurück in die Wohnung bringen.
Die Schläuche anschließen.
Die Maschine richtig aufstellen.
Die Ausrichtung überprüfen.
Sicherstellen, dass sie nicht vibriert.
Und danach sollte er zu seiner Mutter fahren und den Filter ihrer alten Maschine eigenhändig reinigen.
Der Fahrer hupte genervt.
— Junge, entweder wir laden jetzt oder du bezahlst die Wartezeit!
Oleg griff langsam in seine Tasche.
Das Herausnehmen der Geldbörse schien ihm schmerzhafter zu sein als jede körperliche Arbeit an diesem Tag.
Der große Retter musste nun die Rechnung für sein eigenes Scheitern bezahlen.
— Soll ich dir helfen, sie zurückzubringen, Nachbar? — fragte Gennadij Petrowitsch mit unschuldigem Gesicht.
— Ich schaffe das allein! — knurrte Oleg.
Er packte den Wagen und schob ihn unter lautem Stöhnen zurück in die Wohnung.
Doch aus dem triumphalen Einzug wurde schon bald eine qualvolle Tortur.
Es stellte sich heraus, dass Oleg beim hastigen Abmontieren der Maschine das Gewinde des Wasserzulaufschlauchs völlig ruiniert hatte.
Er musste zum Baumarkt laufen.
Neue Teile von seinem eigenen Geld kaufen.
Und anschließend stundenlang das Wasser vom Badezimmerboden aufwischen.
Am Abend kam er müde, mit ölverschmierten Händen und einem Gesichtsausdruck von seiner Mutter zurück, als hätte er ganz allein eine ganze Armee besiegen müssen.
Gennadij Petrowitsch hatte recht gehabt.
Aus dem Filter von Tamara Iljinitjnas Waschmaschine kamen ein Perlmuttknopf, einige rostige Münzen, eine verbogene Haarnadel und der berüchtigte BH-Bügel zum Vorschein.
Nachdem der Filter gereinigt worden war, begann die alte Maschine wieder leise und vollkommen normal zu laufen.
Tamara Iljinitjna versuchte natürlich trotzdem noch, sich darüber aufzuregen, dass ihr Sohn ihr nicht die neue, glänzende Waschmaschine gebracht hatte.
Oleg schloss jedoch nur die Augen, seufzte müde und winkte ab.
— Mama, die alte funktioniert.
Das war alles.
Die große Heldentat war vorbei.
Zurück blieben ein unnötig bezahlter Transporter, ein schmerzender Rücken, ein ruiniertes Wochenende, einige teure Ersatzteile und ein neuer Ehrentitel: der lustigste Mann des ganzen Treppenhauses.
Von diesem Tag an änderte sich jedoch etwas für immer in unserer Familie.
Jedes Mal, wenn Tamara Iljinitjna anrief und sich darüber beschwerte, dass etwas wieder merkwürdig blinkte, der Motor klapperte, eine Taste nicht funktionierte oder „schon wieder etwas nicht stimmte“ mit der Maschine, seufzte Oleg tief und sagte immer denselben Satz:
— Mama, überprüf zuerst den Filter.
Meine Waschmaschine stand weiterhin friedlich an ihrem Platz, sauber und unversehrt. Bei jedem Schleudergang erinnerte sie mich daran, dass man sein eigenes Eigentum nicht verschenken muss, nur weil jemand anderes plötzlich sehr großzügig damit umgehen möchte.
Denn es gibt eine einfache Wahrheit, die Oleg an diesem Tag für immer gelernt hat: Wer mit dem Geld anderer den Helden spielen will, muss früher oder später den Preis für seine Heldentat aus eigener Tasche bezahlen.







