An diesem Morgen bemerkte ich diese rosafarbene Masse an meiner Wand und rief sofort den Vermieter an: Ich war völlig erschrocken, als mir klar wurde, was sie wirklich war.

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Der Morgen begann wie jeder andere. Noch halb schlafend ging ich in die Küche, um meinen üblichen Kaffee zuzubereiten.

Graues Licht fiel durch das Fenster, die Wohnung war still, nur das leise Brummen des Kühlschranks war zu hören. Gerade als ich nach meiner Tasse greifen wollte, fiel mir etwas Ungewöhnliches ins Auge.

An der Wand zwischen Küche und Wohnzimmer zog sich ein Riss entlang. Zuvor hatte ich ihn dort nie bemerkt. Zuerst dachte ich, es sei nur ein Schaden im Putz, doch als ich nähertrat, zog sich mein Magen zusammen.

Aus dem Riss quoll eine rosarot gefärbte Masse hervor.

Sie sah nach nichts aus, was ich jemals zuvor gesehen hatte. Die Oberfläche wirkte feucht, beinahe lebendig. Sie war seltsam gewellt, und im schwachen Morgenlicht hatte ich das Gefühl, als würde sie langsam atmen.

Einige Sekunden lang stand ich regungslos da und versuchte mir einzureden, dass mir meine Fantasie einen Streich spielte.

Da ich in einer Mietwohnung lebte, rief ich sofort den Vermieter an.

Zu meiner Überraschung stand er weniger als dreißig Minuten später vor meiner Tür. Das allein war schon seltsam, denn normalerweise brauchte er Tage, um auf eine einfache Nachricht zu antworten.

Als er die Wand sah, erstarrte er für einen Moment. Sein Gesicht wurde blass, und er wandte den Blick so schnell von dem Riss ab, als hätte er etwas erkannt, das er lieber nicht sehen wollte.

Dann setzte er ein gezwungenes Lächeln auf.

„Ach, das ist nichts. Nur alter Montageschaum. In alten Gebäuden kommt so etwas vor.“

Seine Stimme klang ruhig, doch seine Hände zitterten.

Er zog Gummihandschuhe an, nahm ein Taschentuch und riss hastig ein Stück der rosafarbenen Masse ab. Seltsamerweise warf er es nicht in den Müll. Stattdessen wickelte er es sorgfältig in das Taschentuch, steckte es in seine Tasche und versicherte mir, dass alles in Ordnung sei.

Wenige Minuten später war er wieder verschwunden.

Die ganze Situation war so merkwürdig, dass ich sie nicht vergessen konnte. Es war nicht das, was er gesagt hatte, das mich beunruhigte, sondern das, was er verschwiegen hatte. Immer wieder musste ich an den erschrockenen Blick denken, den er auf die Wand geworfen hatte.

Zwei Stunden lang versuchte ich mich abzulenken, doch schließlich hielt ich es nicht mehr aus.

Ich zog Handschuhe an, nahm eine Taschenlampe und ein Messer und ging zurück zur Wand. Die Wohnung war ungewöhnlich still. Nicht einmal Geräusche von den Nachbarn waren zu hören.

Vorsichtig schob ich die Messerspitze in den Riss.

Aus dem Inneren der Wand strömte ein dumpfer, feuchter Geruch.

Ich leuchtete in die Öffnung.

Zuerst sah ich nichts.

Dann spiegelte sich das Licht auf etwas.

Und plötzlich bemerkte ich, dass sich dort drinnen etwas bewegte.

Nicht schnell.

Nicht plötzlich.

Sondern langsam und rhythmisch.

Als würde sich ein riesiges lebendes Gewebe durch das Innere der Wand ziehen.

Ich taumelte zurück.

Einige Sekunden lang starrte ich nur auf den Riss und versuchte zu begreifen, was ich gesehen hatte. Schließlich machte ich ein Foto und schickte es einem Bekannten, der Biologe war.

Ein paar Stunden später rief er mich zurück.

Er sagte, auf den ersten Blick sehe es wie eine außergewöhnlich entwickelte Pilzkolonie aus, die ein dichtes Netzwerk aus Myzel gebildet habe. Möglicherweise lebten dort sogar Insekten,

und über die Jahre könnte sich in den Hohlräumen der Wand ein eigenes kleines Ökosystem entwickelt haben.

Er versuchte, mich zu beruhigen, doch ich hörte Unsicherheit in seiner Stimme.

Bevor er auflegte, sagte er noch:

„Um ehrlich zu sein … auf dem Foto ist etwas zu sehen, das ich nicht erklären kann.“

Noch am selben Abend packte ich einige meiner Sachen zusammen und verließ die Wohnung.

Seitdem geht der Vermieter nicht mehr ans Telefon.

Am nächsten Tag wollte ich zurückkehren, um den Rest meiner Sachen zu holen, doch das Schloss der Wohnungstür war ausgetauscht worden.

Ich begann, die Nachbarn zu befragen.

Eine ältere Frau schwieg lange, bevor sie leise fragte:

„Haben Sie die Wand auch gesehen?“

Als ich nickte, wurde sie blass.

Sie erzählte mir, dass vor mir bereits drei Mieter die Wohnung überstürzt verlassen hatten. Keiner von ihnen hatte länger als ein Jahr dort gewohnt.

Alle hatten über dieselben Dinge geklagt: seltsame Gerüche, leises Kratzen hinter den Wänden und das Gefühl, dass sich nachts etwas in der Wohnung bewegte.

Dann verriet mir die Frau noch etwas.

Vor vielen Jahren hatten Arbeiter bei einer Renovierung versucht, genau diese Wand aufzubrechen.

Doch die Arbeiten wurden plötzlich eingestellt.

Seitdem hatte niemand die Wand mehr angerührt.

Als ich fragte, warum, schüttelte sie nur langsam den Kopf.

„Weil das, was sie dort drinnen gefunden haben, nie aus dem Haus gebracht wurde … sie haben es wieder eingemauert.“

In diesem Moment wurde mir klar, dass vielleicht nicht das Beängstigendste die rosafarbene Masse war, die aus dem Riss ragte,

sondern die Tatsache, dass jemand alles darangesetzt hatte, dafür zu sorgen, dass niemals jemand herausfinden würde, was sich wirklich hinter dieser Wand verbarg.

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