Ich entdeckte, dass mein Mann einen Kredit auf meinen Namen aufgenommen hatte – und ging zur Bank.

Interessant

Zinaida presste den Telefonhörer gegen ihre Schulter, während sie mit einer Hand versuchte, das vom Tisch rutschende Kassenbuch zurückzuhalten. – Ist der Kredit überfällig? – fragte sie mit zitternder Stimme. – Welcher Kredit?

– Es geht um den Vertrag Nummer sieben-drei-drei-vier-acht, abgeschlossen am 22. November letzten Jahres. Sie sind Mitunterzeichnerin.

Der Hauptschuldner ist Pjotrow Michail Andrejewitsch. Die Zahlung ist seit zwei Monaten überfällig – hörte sie eine weibliche Stimme durch den Hörer, kalt, gleichgültig.

Zinaida erstarrte. Das Buch fiel dumpf auf den Boden. Michail. Misi. Ihr Mann, der schon seit einem Jahr tot war. Im Oktober. Und der Kredit… im November.

Die Sonnenstrahlen, die über den abgewetzten Linoleumboden spielten, schienen sie auszulachen, verwandelten sich in spitze, höhnische Lichtstreifen.

– Aber… er ist doch im Oktober gestorben – stammelte sie, ihre Stimmbänder versagten fast vor Schock.

Die Leitung war plötzlich still, nur das Rascheln der Papierblätter füllte den Moment. Zinaida ließ langsam die Hand vom Telefon sinken. Mit 43 Jahren lebte sie als Witwe,

und das vergangene Jahr war wie ein Schlafwandeln durch einen dichten Nebel der Trauer gewesen. Nur das Tennisspielen hielt ihren Geist am Leben: Mit jedem Aufprall des gelben Balls spürte sie,

wie sich ihre verkrampften Glieder wieder bewegten. Misi… er hätte niemals einen Kredit aufgenommen. Er war der feste Punkt, der Fels, an dem Zinaidas Alltag haftete. Wie konnte das passieren? Und mit wem?

Zuerst rief sie Michails Schwester, Inna, an.

– Inna, hallo… Die Bank hat gerade angerufen… Sie sagen, Misi hat einen Kredit, und ich bin Mitunterzeichnerin – sagte sie, ihre Stimme zitterte leise vor Unsicherheit.

– Einen Kredit? – Innas Stimme klang übertrieben überrascht. – Oh Zino, vielleicht ist etwas Altes aufgetaucht?

– Nein, von November – antwortete Zinaida.

– November? – Inna machte eine lange Pause, als inszeniere sie eine dramatische Szene. – Weißt du… Misi hat etwas erwähnt… irgendein Geschäft.

Er wollte eine Boots-Motorwerkstatt in Wolgograd eröffnen. Vielleicht hat er angefangen, die Unterlagen zu sammeln, und du hast es vergessen.

Zinaida hörte schweigend zu, und jedes Wort klang so falsch wie ein aufgesetztes Lächeln. Misi passte nicht in diese vorstellbare Geschäftswelt.

– Aber er ist im Oktober gestorben, Inna – sagte sie leise, ihre Stimme heiser vor Schmerz.

– Ach, Banken… die machen Fehler, vielleicht ein Datumsfehler… – seufzte Inna – Vielleicht zahlen wir es einfach zurück, niemand erfährt davon, und wir bewahren Misis Erinnerung.

An diesem Morgen machte sich Zinaida auf den Weg zur Bank.

Das hohe Gebäude aus Glas und Beton war kalt, das monotone Summen der Klimaanlagen mischte sich mit dem Duft teuren Parfüms. Als sie eintrat, fühlte sie sich fremd,

der Gedanke, dass jemand ihren Mann und sie benutzt hatte, erfüllte sie mit eisiger Wut.

Der junge Bankangestellte betrachtete lange ihren Ausweis und begann dann, im Computer zu suchen.

– Ja, Zinaida Pawlowna, hier ist der Vertrag. Ein Verbraucherkredit über achthunderttausend Rubel – sagte der Angestellte ernst.

Zinaidas Beine zitterten. Achthunderttausend. Unter Misiss Namen stand eine gefälschte Unterschrift, unter ihrem eine grobe, ungeschickte Fälschung.

Jemand hatte ihre Trauer ausgenutzt, um Geld zu erschleichen.

Am nächsten Tag, auf dem Tennisplatz, fühlte sich jeder Schlag leer an. Ihr Partner, Wladimir, bemerkte sofort ihre Unruhe.

– Was ist passiert? – fragte er, doch Zinaida starrte nur schweigend auf den Ball.

Sie erzählte ihm alles: den Anruf der Bank, Inna, die Fälschung. Wladimirs Gesicht verfinsterte sich, sein sonst so ruhiger, ernsthafter Blick war nun mit schwerem Gewicht erfüllt.

– Das ist kein einfacher Irrtum mehr. Das ist Betrug. Wir müssen Anzeige bei der Polizei erstatten und auch die Sicherheitsabteilung der Bank informieren – sagte er.

Zinaida hatte zuerst Angst, doch dann begriff sie: Sie konnte nicht zulassen, dass jemand Misiss Andenken schändete. Am nächsten Tag rief Inna wieder an, ihre Stimme triefte vor falscher Besorgnis.

– Na, Zino, warst du schon in der Bank?

– Ja, achthunderttausend Schulden, meine Unterschrift ist gefälscht – antwortete Zinaida.

– Wie… gefälscht? – schrie Inna – Zinaida, bist du bei Verstand?

Zinaida legte auf und beschloss, den Weg bis zum Ende zu gehen. Am nächsten Morgen sammelte sie alle Unterlagen: Kopien des Vertrags, ihren Pass, Misiss Sterbeurkunde.

Sie rief Wladimir an, um die Anzeige bei der Polizei zu koordinieren.

Die erste Station: das Hauptbüro der Bank. Sie fühlte sich nicht länger fremd. Mit hoch erhobenem Haupt trat sie ein,

der Leiter der Sicherheitsabteilung empfing sie. Zinaida legte die Mappe entschlossen vor ihm ab.

– Ich arbeite seit fünfzehn Jahren mit Geld und Dokumenten – begann sie – ich erkenne echte von gefälschten Unterschriften.

Unter dem Namen meines Mannes steht eine Fälschung, der Vertrag wurde einen Monat nach seinem Tod ausgestellt.

Der Mann schwieg lange, verglich die Dokumente. Zinaida wusste, dass endlich die Wahrheit ans Licht kommen würde.

An diesem Tag, unter der strahlenden Sonne von Wolgograd, spürte Zinaida zum ersten Mal, dass nicht die Trauer, sondern Entschlossenheit ihre Schritte leitete,

und die Hitze des Willens durchströmte ihre Seele, als sie wusste, dass jetzt nichts sie aufhalten konnte.

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