— Julia, du bist ja völlig von einem anderen Planeten gefallen! Welche anderthalb Millionen jetzt? Der Markt steht still, das Geschäft liegt im Koma,
Taxi braucht sowieso niemand! Warte ein halbes Jahr, du verarmst doch nicht. Schließlich isst du nicht die letzte Kruste mit deinem Mann auf!
Vadik, der Mann meiner Schwägerin, ließ sich lässig auf unserem Sofa zurücksinken, rührte den Zucker in seiner Tasse mit einem so scharfen, metallischen Klirren,
als wollte er Morsezeichen geben: „Kei-ne Gel-der, kei-ne, und wird auch nicht ge-ben.“
Vor einem Monat war dieser „Wall-Street-Wolf in lokaler Ausführung“ mit glühenden Augen und schweißnasser Glatze zu uns gestürmt. Bei ihm und Oksana, der Schwester meines Mannes Denis,
waren bereits fünfhunderttausend angespart. Es fehlte nur noch eine Kleinigkeit — anderthalb Millionen, um ein luxuriöses Importauto aus dem Showroom zu kaufen und es als Business-Taxi zu vermieten. „Wir werden reich!
In einem Monat zahle ich alles zurück, Pfennig für Pfennig, mit Zinsen!“ schwor Vadik, die Hände dramatisch auf die Brust gepresst, wie ein Schauspieler auf der Bühne.
Ich, ein Mensch, der eher auf nüchterne Zahlen als auf glühende Versprechen vertraut, gab das Geld — mit nur einer winzigen, fast unsichtbaren Bedingung:
Das Auto wird beim Kauf auf meinen Denis zugelassen, nur bis die Schuld vollständig beglichen ist. Vadik nickte damals glücklich — welche Rolle spielt schon der Name auf dem Papier,
wenn der Schlüssel in seiner Tasche und das Lenkrad unter seinen Händen ist?
Gestern fuhr ich zufällig vorbei und beschloss, auf einen Tee hereinzuschauen. Die Eingangstür stand einen Spalt offen — Oksana wartete wie immer auf den Kurier. Aus der Küche drang ihr Gespräch mit Vadik:
— Sag ihr doch, dass das Auto ständig kaputt geht! Julia ist eine reiche Tussi, ihr fallen die Geldscheine nur so in den Schoß. Sie wird schmollen und dann vergeben.
Wird doch nicht die Familie wegen einer Schuld belästigen? Genau, Ksyusha! Diese Zimmerbuchhalterin hat mir nicht einmal eine Quittung abgenommen!
Einen Monat ist vergangen, ich sage, dass der Taxibetrieb geplatzt ist. Sie schimpft und ist zufrieden. Wir sind doch Familie, sie ertragen das!

Leise schloss ich die Tür hinter mir und ging die Treppe hinunter. Im Inneren war weder Bitterkeit noch weibliches Weinen — nur kalte, klingelnde Berechnung.
Am Abend erzählte ich alles Wort für Wort meinem Mann beim Abendessen.
Denis, der mich über alles liebt und immer hinter unserer Familie steht, legte die Gabel beiseite.
— Ich breche ihm gleich das Kiefer.
— Nein, Liebling, — streichelte ich sanft seine Hand. — Zahnärzte sind heutzutage zu teuer, wir brauchen keine zusätzlichen Ausgaben. Wir werden viel eleganter vorgehen. Wir geben ihnen eine bezahlte Finanzunterrichtsstunde.
Sonntagmittag, die ganze Familie versammelt. Sie kamen mit dem Taxi — Vadik seufzte gleich an der Tür tragisch,
dass ihr neues Auto „schon wieder kaputt und vor dem Haus geparkt“ sei (offenbar übte er schon seine vorbereitete Geschichte), und überhaupt habe er am gesetzlichen freien Tag das Recht,
sich zu entspannen und ein Gläschen Brandy zu trinken.
Vadik schmauste mit Appetit mein gebratenes Schweinefleisch, Oksana musterte kritisch meine neue Wohnungseinrichtung.
— Weißt du, Julia, — sagte Vadik, während er kaute und gestikulierte —, ein ehrlicher Unternehmer hat es jetzt schwer. Der Staat drückt, die Konkurrenz schneidet einem die Wege ab.
Ich habe die entschlossene Entscheidung getroffen: Ich werde euch die Zahlungen ein halbes Jahr lang nicht zurückgeben. Ich muss Reifen wechseln, Kunstlederbezüge kaufen… Ihr versteht doch, oder?
— Natürlich, Vadik, — antwortete ich süß und beinahe engelsgleich lächelnd.
— Du hast echt eine schwierige Situation. Fast wie eine Maus, die selbst in die Mausefalle gerannt ist und nun empört verlangt, dass der Käse direkt geliefert wird.
Vadik verschluckte sich am Fleischstück und begann zu husten.
— Was? Was meinst du damit? Ich renne den ganzen Tag wie ein Hamster im Rad!
— Ja, — nickte ich —, nur rollt das Rad anscheinend ausschließlich auf unsere Kosten. Du bist nicht der Hamster, sondern ein gefräßiger Gnaden-Hamster auf Golddiät.
Oksana flammte auf, warf die gestärkte Serviette auf den Tisch.
— Julia, was für ein überhebener Ton?! Wir bitten doch familiär! Ihr habt zwei Gehälter, lebt in Luxus, geht ins Restaurant! Könntet uns die anderthalb Millionen nicht einfach schenken?
Vadik braucht einen Start!
— Start gibt es auf dem Laufband nach hartem Training, — sagte ich ruhig und nahm einen Schluck Tee.
— Ihr wollt also für einen Business-Kurs im Flugzeug bezahlt werden, den ihr gar nicht bauen wolltet.
— Wie kannst du es wagen! — Oksana schaltete sofort auf Ultraschall, ihre Maske der Anständigkeit fiel in Sekunden.
— Wir sind Familie! Du musst uns unterstützen!
— Ich muss rechtzeitig die Nebenkosten zahlen und Steuern ans Finanzamt, — entgegnete ich gelassen.
— Andere hochtrabende Selbstüberschätzung zu finanzieren, als wäre ich ein Bankautomat mit unbegrenztem Vergeben, gehört nicht in meine Lebenspläne.
Vadik lachte herablassend, lehnte sich zurück und legte die Hände auf seinen Bauch.
— Na gut, Mädchen, streitet euch nicht. Julia, verstehe doch mit deinem weiblichen Verstand: Geld gibt es jetzt nicht. Ich kann es nicht zaubern! Und das Auto gebe ich nicht als Sicherheit,
träum weiter, ich habe doch meine fünfhunderttausend reingesteckt! Also entspann dich, atme durch, warte. Irgendwann zahle ich vielleicht.
Ich sah ihn ruhig an, äußerlich so gelassen wie eine Granitplatte an der Uferpromenade.
— Du musst gar nichts zurückgeben, Vadik,
— sagte ich sanft, fast liebevoll.
Die Familie erstarrte. Auf Oksanas Gesicht erschien ein triumphierendes Lächeln: „Ich hab’s doch gesagt, diese reiche Tussi gibt schnell nach!“
— Wirklich? — Vadik breitete ein fettiges, selbstzufriedenes Lächeln aus.
— Wirklich, — sagte ich langsam und zog ein ordentliches, gedrucktes Blatt aus der Mappe auf den Tisch.
— Siehst du, da das Auto juristisch auf Denis angemeldet ist, Papiere und Zweitschlüssel, wie du weißt, die ganze Zeit sicher in unserem Safe lagen… haben wir es gestern verkauft.
Es folgte absolute Stille. Man hörte den Kühlschrank in der Küche summen.
— W-wie verkauft? — Vadik wurde kreidebleich, seine Augen wie zwei Teetassen.
— Mein Auto?!
— Dein Auto, Vadik, — korrigierte Denis mit metallischem Nachdruck, stand vom Tisch auf und verschränkte die Arme vor der breiten Brust.
— Aber… wie… es stand doch auf dem Parkplatz! Ich habe die Schlüssel! — stammelte Oksana, klammerte sich ans Herz.
— Stand es. Gestern Morgen. Und gestern Mittag kam ein ernsthafter Käufer mit seinem Abschleppwagen, wir unterschrieben den Kaufvertrag, und es fuhr in eine andere Region, — ich legte das Papier direkt vor Vadik auf den Tisch.
— Für zwei Millionen Rubel. Genau so viel, wie wir es aus dem Showroom geholt hatten.
Vadik sprang auf, kippte den Stuhl mit Getöse um. Sein Gesicht war dunkelrot vor Wut.
— Ihr hattet kein Recht! Da sind meine fünfhunderttausend! Ich gehe sofort zur Polizei! Ich lasse euch einsperren!
— Geh, Vadik, geh ruhig, — winkte ich versöhnlich. — Erzähle den Beamten gleich, wie du mit einer handschriftlichen Vollmacht gefahren bist, die mein Mann vor drei Tagen annulliert hat.
Und deine fünfhunderttausend… ich bin eine absolut ehrliche und faire Person. Hier ist deine Abrechnung.
Ich schob ihm das zweite Blatt zu, übersät mit Zahlen.
— Sieh genau hin. Fünfhunderttausend, deine ursprüngliche Einlage. Abgezogen: Wertverlust des Autos nach einem Monat intensiver Taxinutzung — siebzigtausend.
Mein Zins für die Nutzung der anderthalb Millionen zum Refinanzierungssatz — zwanzig. Und nicht zu vergessen: Miete für das Business-Auto für dreißig Tage nach durchschnittlichem Marktpreis.
Ich machte eine Pause, genoss den Moment aufrichtig.
— Insgesamt, — zog ich elegant eine Linie mit rotem Stift, — schulden wir dir exakt vierzehntausendzweihundert Rubel. Denis, überweise sie bitte auf Vadiks Karte. Er soll sich an nichts gehindert fühlen.
Oksana geriet in totale Hysterie.
— Ihr habt uns über den Tisch gezogen! Uns beraubt! Ohne Arbeit, ohne einen Cent! Wir sind doch Familie! Wie konntest du nur so handeln, du berechnende Schlange?!
Sie schlug nach dem Geschirr, doch Denis trat schützend vor mich. Seine Stimme war leise, aber eisern und durchdrang bis in die Knochen:
— Wenn du jetzt nicht sofort aufhörst zu schreien und noch einmal meine Frau beleidigst, fliegt ihr samt Eingangstür aus unserem Haus. Ihr wolltet uns anderthalb Millionen abziehen,
weil ihr Julia für eine leichte Beute haltet. Ihr habt mit dem Geschäft gespielt. Sagt ein riesiges Dankeschön, dass meine Frau alles korrekt berechnet hat, anstatt euch noch mehr zu schulden. Jetzt — raus!
Sie gingen lautstark. Vadik fluchte und stolperte über seine eigenen Schuhe, Oksana weinte theatralisch im Flur,
drohte, alle Verwandten bis zum siebten Grad zu informieren und uns in der ganzen Stadt zu verleumden. Mir war das vollkommen egal.
Mein Geld war vollständig auf unserem Familienkonto zurück. Und die toxische, heuchlerische Verwandtschaft hatte sich selbst aus unserem Leben eliminiert. Ich hoffe sehr, für immer.







