Die 22-jährige Frau wurde von ihrer Stiefmutter gezwungen, mit einem ihrer Geschäftspartner ins Bett zu gehen, und in ihrer Verzweiflung flüchtete sie in das Auto eines Fremden … doch dieser schicksalhafte Moment sollte ihr Leben für immer verändern.

Interessant

Im Inneren des Autos wirbelten die teuren Düfte von Leder, Zedernholz und maskulinem Parfüm dicht durcheinander. Alles wirkte zu perfekt, zu sauber, als gehöre diese Welt nicht zu derselben Realität, aus der Elena vor wenigen Minuten geflohen war.

Die sterile Ordnung tat ihr beinahe körperlich weh, im Kontrast zu dem Regenwasser, dem Schlamm und dem Blut, das an ihr klebte.

Draußen an den Fenstern verwandelten sich die Lichter von Seattle im strömenden Regen in lange, verschwommene Streifen.

Der Sturm peitschte unbarmherzig gegen die getönte Scheibe, als wolle der Himmel selbst das Auto aufreißen, um sie zurückzuzerren zu dem Ort, aus dem sie geflohen war.

Doch im Inneren existierten nur zwei Dinge.

Das tiefe, leise Brummen des Motors.

Und der Mann neben ihr.

Matthew Carranza saß regungslos da. Er sah sie nicht an. Seine Gesichtskonturen lagen im kalten Blau des Armaturenbretts. Elena hatte das Gefühl, als wäre dieser Mann nicht aus Fleisch und Blut gemacht, sondern aus etwas Härterem,

Unerbittlicherem. Sein Kiefer zeichnete sich scharf ab, sein dunkles Haar war vom Regen nach hinten gestrichen, und sein Blick… dieser Blick kannte keine Gnade.

Es waren die Augen eines Mannes, der daran gewöhnt war, dass sich Schicksale mit einem einzigen Satz verändern.

Matthew hob langsam ein dünnes schwarzes Satellitentelefon. Er wählte keine Nummer. Er drückte nur eine einzige Taste.

– Marcus – sagte er mit tiefer, ruhiger Stimme, und dennoch hatte Elena das Gefühl, als würde sich die Luft um sie herum zusammenziehen. – Kreuzung Blackwood Lane und Route Neun. Eine Frau steht auf der Straße.

Patricia Salgado. Sie hält einen Ledergürtel in der Hand. Bring sie von dort weg. Falls sie versucht, die Polizei zu rufen, erinnere sie an die laufende Auditprüfung ihres Logistikunternehmens. Wenn sie Kontakt zu Becerra aufnimmt,

sag ihm, er hat vierundzwanzig Stunden, um sein gesamtes Vermögen zu liquidieren, bevor ich es tue.

Elena schnürte es die Kehle zu.

Der Name Patricia schnitt in sie hinein wie eine Klinge.

Dieser Mann kennt sie.

Die Erkenntnis war kälter als der Regen, der noch immer ihre Kleidung durchnässte. Sie war nicht in ein fremdes Auto geflohen. Sie war in die Welt eines Mannes geraten, der ihre Peiniger wie lästige Hindernisse behandelte, die man einfach beiseite räumen konnte.

Matthew beendete das Gespräch und drehte sich zum ersten Mal zu ihr um.

Sein Blick glitt über Elena. Langsam. Unerbittlich präzise.

Er sah den billigen, zerrissenen Stoff ihrer Kleidung. Den Schlamm an ihren Beinen. Die roten Spuren auf ihrer Schulter. Die violett anschwellenden Blutergüsse an ihrem Wangenknochen.

Und dann veränderte sich etwas in ihm.

Es war kein Mitgefühl.

Mitgefühl wäre zu menschlich gewesen.

Es war etwas Dunkleres.

Etwas wie alter Zorn.

– Wer sind Sie? – fragte er schließlich.

Elena schluckte. Ihr Mund war trocken, ihre Stimme kaum mehr als ein Flüstern.

– Elena… Elena Vargas.

Matthew kostete den Namen förmlich aus.

– Elena Vargas. Die Tochter von Arthur Vargas.

Es war keine Frage.

Elena nickte langsam. Ihre Augen füllten sich erneut mit Tränen.

Ihr Vater war vor zwei Jahren gestorben, und mit ihm auch die Welt, in der sie sich noch geliebt gefühlt hatte. Patricia, die zweite Frau ihres Vaters, hatte die Kontrolle über die Schifffahrtsfirma übernommen… und über Elena selbst.

Von da an war sie keine Stieftochter mehr gewesen.

Sondern ein Werkzeug.

Etwas, das man verkaufen konnte.

Etwas, mit dem man Schulden beglich.

Der Name Oscar Becerra löste schon in Gedanken Ekel in ihr aus. Der Mann war für seine Grausamkeit berüchtigt. Die Leute flüsterten über ihn. Über junge Frauen. Über Verschwinden. Über gekaufte Polizisten.

Und Patricia hatte sie ihm heute Nacht überlassen wollen.

– Ich wollte nicht… – Elenas Stimme brach. – Ich wollte das nicht. Sie hat mich in ein Zimmer eingesperrt. Sie sagte, wenn ich Oscar nicht gefügig bin, verkauft sie das Haus meines Vaters… sie hat mich geschlagen… ich bin nur… gerannt…

Ihre Tränen durchbrachen endlich die Erstarrung. Heiß liefen sie über ihre kalte Haut und brannten in den Wunden.

Matthew beobachtete sie schweigend.

Er tröstete sie nicht.

Er sagte nicht, dass alles gut werden würde.

Er versprach keine Sicherheit.

Stattdessen griff er unter seinen langen schwarzen Mantel, holte eine dicke Wolldecke hervor und warf sie Elena auf den Schoß.

– Trocknen Sie sich ab – sagte er kühl. – Es liegt eine lange Fahrt vor uns, und ich mag es nicht, wenn Blut oder Tränen meine Polster berühren.

Seine Worte waren kalt.

Doch die Decke war warm.

Elena zog sie mit zitternden Händen um sich. Der Stoff war schwer, weich und heiß, als käme er aus einer anderen Welt. Sie zog die Knie an und schloss für einen Moment die Augen.

Der Motor wurde zu einem tiefen, gleichmäßigen Brummen.

Das Auto glitt lautlos weiter durch den Regen, ließ die fernen Lichter von Seattle hinter sich.

Elena wusste nicht, wohin dieser Mann sie brachte.

Sie wusste nur, dass es kein Zurück mehr gab.

Zwei Stunden später erreichte das Auto ein gewaltiges schmiedeeisernes Tor. Die Tore öffneten sich lautlos, als würde das Haus selbst Matthew erkennen.

Die Straße schlängelte sich steil durch die Felsen hinauf. Hohe Kiefern schwankten im tobenden Wind, ihre Schatten streckten sich wie schwarze Klauen in die Nacht.

Auf dem Gipfel erschien schließlich das Anwesen.

Elena stockte der Atem.

Das Haus wirkte eher wie eine moderne Festung als ein Zuhause. Dunkler Stein, Glas und Stahl verbanden sich zu kalter Perfektion auf der Klippe, darunter tobte das schwarze Wasser des Puget Sound im Sturm.

Hinter den riesigen Glasfronten glühten warme Lichter, doch das ganze Gebäude strahlte eine bedrohliche Einsamkeit aus.

Das Auto hielt unter dem überdachten Eingang.

Ein großer, schweigsamer Fahrer trat sofort heran und hielt Matthew einen schwarzen Regenschirm über die Tür.

Matthew stieg aus.

Er sah nicht zurück zu Elena.

Er reichte ihr nicht die Hand.

Er wartete nicht.

Und Elena verstand plötzlich, dass dieser Mann kein Held war.

Kein Retter.

Sondern etwas viel Gefährlicheres.

Etwas, vor dem die ganze Welt sich fürchtete.

Matthew Carranza verschwand im Regenvorhang, während Elena noch immer regungslos im Auto saß, die Wolldecke fest um sich gezogen, und zum ersten Mal in ihrem Leben nicht wusste, ob sie gerade gerettet worden war… oder ob sie soeben die Tore zur Hölle betreten hatte.

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