— Steh an den Herd, die Gäste sind aufgewacht und wollen etwas Warmes! — Mein Mann hat mich am 2. Januar um 8 Uhr morgens geweckt, obwohl er versprochen hatte, beim Kochen zu helfen.

Interessant

— Steh auf zum Herd, die Gäste sind schon wach und wollen warmes Essen! — Ein harter Ellbogenstoß riss mich aus dem süßen, kurzen Traum. — Es ist schon acht Uhr, und du liegst immer noch hier.

Die Jungs warten auf Soljanka, sie müssen betrunken werden!

Schwerfällig öffnete ich die Augen. Mein Kopf fühlte sich an wie ein gusseiserner Kessel. Bis vier Uhr gestern Nacht hatte ich das

Geschirr von der Silvesterfeier in den Bergen gespült, das sich zu Türmen auftürmte.

Igor stand über mir. Mein Mann. Sein Gesicht eine Mischung aus Müdigkeit und von Alkohol aufgeblähter Haut. Nur in Unterhose, kratzte er an seinem borstigen Bauch und sah mich wütend an.

— Igor, hast du die Zeit gesehen?

— meine Stimme war heiser, während ich die Decke über meinen Kopf zog. — Es ist acht Uhr, der zweite Januar. Welche Gäste? Welche Soljanka?

Du hast doch versprochen, dass wir heute ausruhen. Du hast gesagt, wenn deine Freunde hier sind, machst du alles.

— Ich habe versprochen, nein, habe ich nicht… — knurrte er und riss mir die Decke herunter. Die kalte Luft schnitt in meine Haut. — Die Umstände haben sich geändert.

Die Jungs sind hungrig, die Hähne laufen heiß. Was soll ich tun, ich soll an den Herd? Das ist deine Aufgabe. Hol Bier aus dem Kühlschrank, während du kochst.

Er drehte sich aus dem Schlafzimmer, ließ die Tür offen. Aus dem Flur drangen lautes Lachen, das Klirren von Gläsern und der Geruch von Palinka, Mandarinen- und Tannennadeln. Mir wurde übel.

Ich setzte mich auf die Bettkante, schob meine Füße in die Pantoffeln und versuchte, alles zu begreifen.
Ich bin Internistin.

Den ganzen Dezember über floss meine Kraft aus meinem Hals, ich heilte hustende, niesende Menschenmassen. Mein Traum war es, in der Pause endlich zu schlafen. Einfach liegen, Filme schauen, Salate essen.

Igor arbeitet seit drei Monaten nicht mehr. Er wurde „wegen des ungerechten Chefs“ gefeuert (übersetzt: wegen Betrunkenheit und Faulheit).

Seitdem liegt er auf dem Sofa, spielt Videospiele und jammert darüber, wie ungerecht die Welt zu Talenten ist.
Das ganze Fest hatte ich bezahlt.

Ich habe eingekauft, eingedeckt, aufgeräumt nach seinen Freunden, die am 31. Dezember ohne Einladung oder Geschenk erschienen.

„Lena, das sind meine Jungs! Sei kein Teufel!“ — versuchte Igor mich zu überzeugen, als die drei muskulösen Typen mit ihren Frauen vor der Tür auftauchten.

Ich ertrug es. Für den Frieden. Für das Fest.

Ich trat in die Küche. Und blieb am Türrahmen stehen.

Das war keine Küche. Das war ein Trümmerfeld nach einem Bombenangriff.

Im Spülbecken türmten sich wackelige Berge von Geschirr. Auf dem Tisch alte Brotkrumen, verschüttete Weintropfen, Zigarettenkippen

in halb gegessenem Mayonnaisesalat. Auf dem Boden lagen leere Flaschen, Konfetti und verklebte kleine Fische.

Am Tisch saßen Igors drei Freunde. Ebenfalls zerbrochen wirkend wie mein Mann.

— Oh, Hausfrau! — brüllte einer, kahlköpfig, mit Tattoo am Hals.

— Endlich! Lena, schnell die Soljanka! Die Seele brennt!

— Und vergiss die sauren Gurken nicht! — fügte der andere hinzu, während er im Pilzglas herumwühlte. — Es ist alles weg, lass nichts übrig!

Igor lag auf dem Chefplatz, Arme weit ausgebreitet.

— Hast du gehört? Schnell! Männer warten nicht gern.

Ich ging zum Herd. Ein riesiger Topf stand dort, mit gestern gekochtem Aspik. Leer. Alles aufgegessen. Fünf Liter Aspik in einer Nacht.

Etwas in mir knallte. Leise, aber bestimmt.

Ich sah auf meine Hände. Rot, rissig vom ständigen Händewaschen, vom Spülen. Maniküre? Ach, „Liebling, wir holen lieber Bier für die Jungs.“

— Soljanka, richtig? — flüsterte ich.

— Na klar! — kreischte Igor.

— Was stehst du da? Wasser am Hahn, Fleisch im Kühlschrank. Los!

Und da war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte.

Einer der Gäste, fett, fettiges Haar, wollte mir eine Zigarette reichen, berührte aber meine Lieblingsvase, ein Geschenk eines

dankbaren Patienten. Die Vase fiel. Das Klirren von Glas war schneidend. Wasser mischte sich mit dem schmutzigen Boden und den Essensresten.

— Hoppla! — lachte der Gast.

— Glück gehabt! Lena, putz, sonst tun wir uns weh. Und schnell die Suppe, sonst kotze ich gleich.

Igor sah nicht einmal auf die zerbrochenen Stücke. Blickte mich herausfordernd an.

— Na? Warum stehst du da? Nimm den Lappen und putz!

Wut.
Eine heiße Welle überrollte mich, fegte Müdigkeit, Angst, Duldsamkeit hinweg.

Ich ging zum Spülbecken. Griff die fettige, fleischige Pfanne.

Drehte mich zum Tisch um.

— Wollt ihr essen? — rief ich laut.

— Ja! — antworteten sie gleichzeitig.

— Bitte schön!

Mit voller Kraft warf ich die Pfanne in die Tischmitte. Die Reste des Salats spritzten auf ihre Gesichter, Shirts, den Tisch. Fett, Fleischstücke, Mayonnaise.

— Du bist verrückt! — schrie Igor, sprang auf. — Was machst du?!

— Ich füttere die Gäste! — brüllte ich. — Wollt ihr warmes Essen? Bitteschön!

Ich griff den überlaufenden Mülleimer unter dem Spülbecken.
— Und das Dessert!

Ich kippte den Inhalt über den Tisch. Zwiebelschalen, leere Packungen, Reste landeten auf ihren Knien.

— A-ah! — schrien die Gäste, sprangen auf und versuchten, den Schmutz abzuschütteln.

— Igor, deine Frau ist verrückt!

— Raus hier! — rief ich, schwingte den Wischmopp.

— Ihr habt eine Minute! Wer nicht geht, bringt sich selbst in Gefahr!

— Lena, du wirst es bereuen! — kreischte Igor, versuchte die Kartoffelschalen von sich zu wischen.

— Ich werde dich bestrafen!

— Ich habe dich schon bestraft! — sagte ich. — Raus!

Igor blieb allein. Mitten in der Küche, schmutzig, jämmerlich, in Unterhose und Shirt.

— Du… du hast alle hinausgeworfen! — flüsterte er.

— Du hast mich gedemütigt!

— Jetzt mach ich dich obdachlos! — drohte ich.

Ich schleuderte ihn ins Schlafzimmer.

Sammelte seine verstreuten Sachen, Jeans, Pullover.

Zurück auf den Flur.

Ich öffnete die Haustür.

Riss seine Kleidung nach draußen.

— Geh zu ihnen!

— Du hast kein Recht! Das ist meine Wohnung!

— Das ist die Wohnung meiner Mutter! Du bist noch nicht einmal angemeldet! Bauer!

— Ich rufe die Polizei!

— Ruf nur! Ich zeig ihnen, wie du die Möbel zerstörst! Wie du mich angegriffen hast! Meine Hand war schon blau, als du mich gestern gestoßen hast! Ich zeige dich an, ins Gefängnis!

Er erschrak. Rückte zurück.

— Lena, warum… reden wir…

— Das Gespräch ist beendet! Schlüssel!

— Was?

— Die Wohnungsschlüssel! Her! Schnell!

Er versuchte, ins Zimmer zu gehen, doch ich versperrte ihm den Weg mit dem Wischmopp.

— Schlüssel her, oder ich rufe sofort deinen Ex-Chef und erzähle, wie du das Lager gestohlen hast! Du hast es selbst im Rausch angegeben!

Es traf ihn wie ein Schlag in den Magen, aber es wirkte. Igor wusste, dass es wahr war.
Er wurde blass.
Zitternd kramte er in der Tasche seiner Jeans. Zog den Schlüsselbund heraus und warf ihn mir vor die Füße.

— Erwürg mich! Unverschämte!

— Raus! — drückte ich den Wischmopp gegen seine Brust.

Er taumelte ins Treppenhaus, barfuß, Mantel halb offen.

— Ich komme zurück! Ich werde die Fenster kaputt machen! — brüllte er, zog die Hose hoch.

— Versuch es nur! Ich rufe sofort die 02!

Ich schloss die Tür.

Mit allen Schlössern.

Hängte die Kette ein.

Meine Beine zitterten. Ich setzte mich auf den Boden.
Mein Herz schlug so stark, dass es mir schwarz vor Augen wurde.

Die Wohnung war still. Nur das Tropfen des Wasserhahns in der Küche war zu hören.

Ich saß auf dem Boden, umgeben von verstreuten Dingen, im schmutzigen Morgenmantel.
Und ich lächelte.

Ich stand auf.

Ging in die Küche.

Sammelte alles vom Tisch in den großen schwarzen Sack. Geschirr, Essen, Müll. Alles, was sie berührt hatten.

Ich bereute die Teller nicht. Neue kaufe ich.

Ich öffnete das Fenster. Kalte Luft strömte in die Wohnung, vertrieb den Geruch von Betrunkenheit und Verrat.

Dann ging ich ins Bad. Spülte Schmutz, Schweiß, Müdigkeit von mir ab.
Zog den sauberen Schlafanzug an.

Ich bestellte Lieferservice. Das teuerste Sushi-Set und eine Flasche Wein.
Rief den Schlüsseldienst.

— Sofort. Doppelt berechnen.

Am Abend, als die neuen Schlösser drin waren, glänzte die Wohnung vor Sauberkeit (von Profis), und ich saß in der Küche.

Der Weihnachtsbaum blinkte.

Ich aß Sushi, trank Wein und schaute meine Lieblingsserie.

Mein Telefon piepte. Nachricht von Igor: „Lenusik, lass mich rein, es ist kalt. Ich verzeihe alles.“

Ich lachte laut.

„Ich verzeihe alles“. Was für eine Frechheit.

Ich blockierte seine Nummer. Und alle seine Freunde.

Morgen muss ich arbeiten. Aber mit leichtem Herzen gehe ich hin.

Denn zu Hause erwarten mich Ruhe, Frieden und Sauberkeit.

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