Mein Mann hat einen Teil seines Gehalts vor mir versteckt, und ich habe aufgehört, Lebensmittel mit meinem eigenen Geld zu kaufen.

Interessant

– Oleja, das Sonnenblumenöl ist alle, und vom Waschpulver reicht es nur noch für eine Ladung, – Nina stand in der Tür ihres Zimmers, die nassen Hände am Schürzenstoff abwischend.

– Wir müssten in den Laden, aber die Einkaufsliste ist riesig.

Oleg starrte auf den Fernseher, auf dem gerade ein spannendes Fußballspiel lief, und zuckte nur leicht mit den Schultern.

– Nini, du weißt, wie die Lage ist – sagte er langsam, den Blick immer noch auf den Bildschirm gerichtet. – In der Fabrik gibt es wieder Verzögerungen.

Der Meister meinte, in diesem Monat können wir vom Bonus nur träumen. Letztes Mal hast du mir doch die letzten zweitausend gegeben. Teil sie so ein, wie du kannst.

Mit einem schweren Seufzer drehte sich Nina wieder zur Küche um. Im Kühlschrank stand nur ein einsames Glas eingelegtes Gemüse und ein Topf übrig gebliebener Suppe.

Die Suppe war mit Gemüse und Hühnerknochen gekocht, normales Fleisch hatten sie seit Wochen nicht gekauft.

Nina arbeitete als leitende Krankenschwester in der städtischen Praxis. Ihr Gehalt war stabil, aber knapp. Früher, als Oleg gut verdiente, lebten sie bequem:

einmal im Jahr Urlaub am Meer, neue Kleidung, der Kühlschrank immer voll. Doch dann kam die Krise in der Fabrik.

Das Gehalt wurde gekürzt, der Bonus gestrichen, und nun brachte Oleg kaum genug nach Hause, um Miete, Rechnungen und Sprit zu decken.

Die Last des Haushalts und des täglichen Lebens lag allein auf Ninas Schultern. Sie nahm Zusatzschichten, arbeitete an Wochenenden, um irgendwie über die Runden zu kommen.

Oleg… Oleg kam müde nach Hause, ließ sich auf das Sofa fallen und klagte über die Ungerechtigkeit der Welt, während er ein vollständiges Abendessen erwartete.

– Teil es ein – flüsterte Nina und starrte auf die leere Öldose. – Wofür soll ich noch sparen? Es reicht schon fast nicht mehr.

Am nächsten Tag, nach der Arbeit, betrat Nina wie gewohnt den Supermarkt. Lange stand sie vor der Fleischtheke, betrachtete die saftigen Schweinerippchen, entschied sich dann aber für eine Packung Hühnerleber.

Günstig, aber gut zuzubereiten. An der Kasse kramte sie alle Kleingeldstücke aus ihrem Portemonnaie.

Drei Tage bis zum Gehalt, und die Börse war leer.

Abends, während die Lebern langsam in der Pfanne brutzelten, beschloss Nina, den Flur zu wischen.

Oleg schlief bereits, zufrieden mit dem Abendessen und ein paar Dosen Bier, die er sich als „gespartes Kleingeld“ zurechnete.

Nina griff nach Olegs Mantel, um ihn ordentlich aufzuhängen, und stieß auf etwas Hartes in der Innentasche.

Sie wusste, dass sie nicht in den Taschen ihres Mannes wühlen sollte, aber die Gewohnheit war stärker als die Vernunft. Ihre Finger fanden das Papier.

Ein Beleg. Nicht vom Supermarkt. Vom Geldautomaten. Heute Abend, 18:45 Uhr. Nina öffnete ihn und spürte, wie ihr fast schwindelig wurde.

„Kontostand: 345.000 Rubel“.

Blink. Blink. Sie wollte glauben, dass es ein Fehler war, vielleicht ein Komma, das falsch gesetzt war. Nein, die Zahlen waren klar. Darüber die letzte Buchung: „Gehalt gutgeschrieben: 78.000 Rubel“.

Achtundsiebzigtausend. Ihr Mann brachte ihr zwei Tausender nach Hause. Er hatte gesagt, das sei alles.

Langsam setzte sich Nina auf den Hocker im Flur. Ihr Kopf dröhnte. Ihr fiel ein, dass sie vor einem Monat noch in alten, löchrigen Stiefeln gegangen war, weil Oleg gesagt hatte:

„Nini, sei geduldig, wir haben kein Geld.“ Sie erinnerte sich an die Zahnschmerzen, die sie mit Tabletten betäubt hatte, an die Hühnerknochen und die Lebern.

Wut, scharf und beißend wie Essig, durchzog ihre Brust. Es war nicht nur Wut, es war der Schmerz der Verratenheit. Während sie auf jeden Cent achtete, sparten, auf alles verzichteten, genoss Oleg Hunderte unbemerkt.

Wofür? Für ein neues Auto? Eine andere Frau? Oder nur aus Habgier, weil es die Aufgabe der Frau sei, alles aufrechtzuerhalten?

Vorsichtig legte Nina den Beleg zurück in die Tasche. Sie wollte ins Schlafzimmer stürmen, ihn zur Rede stellen, schreien, zerstören. Aber sie hielt sich zurück. Hysterie löste nichts.

Oleg hätte angefangen zu rechtfertigen, zu lügen, dass es nur eine Überraschung sei oder die Bank schuld.

Nein, diesmal würde sie anders handeln.

Nina ging zurück in die Küche, schaltete den Herd aus. Die Lebern dufteten, doch ihr Appetit war verschwunden. Das Essen packte sie in eine Box, aber nicht in den gemeinsamen Kühlschrank – sondern in ihre Arbeitstasche.

„Kein Geld, kein Geld“, dachte sie triumphierend.

Am nächsten Morgen ging sie früher zur Arbeit, kein Frühstück für Oleg. Nur ein leerer Teller und ein Zettel: „Tut mir leid, alles weg, Geld gibt es nicht. Trink Wasser.“

Den ganzen Tag über arbeitete Nina automatisch in der Praxis,

doch ihre Gedanken kreisten um den Plan für den Abend. In der Mittagspause gönnte sie sich zum ersten Mal seit Monaten nicht nur einen Salat, sondern ein volles Mittagessen mit Gulasch, Kartoffelpüree,

Kompott und Brötchen. Sie aß genussvoll. Abends kam sie leicht und frei nach Hause, ohne schwere Taschen zu schleppen.

Oleg wartete im Flur, sein Gesicht unzufrieden verzogen.

– Nini, warum kommst du so spät? – knurrte er. – Ich bin hungrig wie ein Wolf. Gibt es überhaupt etwas im Kühlschrank? Hast du eingekauft?

Nina zog ruhig ihren Mantel aus, die Schuhe, trat ins Zimmer.

– Nein, Oleg – sagte sie gelassen.

– Ich war nicht einkaufen.

– Wie bitte? – folgte er ihr.

– Was essen wir dann zum Abendessen?

– Nichts – antwortete Nina, setzte sich auf das Sofa mit einem Buch.

– Ich habe letzte Woche gesagt, dass kein Geld da ist. Heute habe ich nur eine Tasse Tee bei der Arbeit getrunken. Ich komme damit klar. Du auch. Krise eben.

Olegs Augen weiteten sich.

– Du scherzt? – starrte er sie an. – Und die Suppe? Das Hauptgericht? Du hast doch immer etwas gezaubert!

– Meine Fantasie ist erschöpft, Liebling – sagte Nina und zuckte mit den Schultern.

– Aus dem Nichts kann man keinen Braten zaubern. Du hast gesagt: kein Geld. Ich habe mein kleines Geld für die Miete und mein Ticket verwendet. Fertig, Haushalt leer.

Oleg stand eine Weile regungslos in der Mitte des Zimmers, den Mund öffnend und schließend, als erwarte er Magie.

– Na, das ist unglaublich… – murmelte er.

– Und ich jetzt?

– Trink Wasser – antwortete Nina ruhig.

– Oder geh früh schlafen, im Traum fühlt man den Hunger weniger.

Die nächsten Tage wiederholten sich.

Nina aß gut bei der Arbeit, gönnte sich Kaffee, Gebäck. Zu Hause trat sie nun gelassen ein. Oleg reagierte zunehmend genervt und wütend.

– Das ist nicht lustig, Nini! – schrie er.

– Schon zwei Tage nur Nudeln für mich! Bist du Hausfrau oder was?

– Ich bin deine Frau, Oleg, keine Zauberin – sagte Nina.

– Ohne Geld kann ich nicht kochen. Gib Geld, und ich koche Suppe, Braten. Wo liegt das Problem?

– Ich sagte, kein Geld! – schrie Oleg. – Die Gehälter sind verspätet!

– Mir geht es genauso – sagte Nina ruhig. – Dann machen wir Diät. Gesund.

Abends zog Oleg demonstrativ los. Eine Stunde später kam er zurück, der Duft von Shawarma an ihm haftend.

Nina sagte nichts, dachte nur: sofort hätte ich für mich Geld gefunden, ihm aber nichts gebracht.

Eine Woche so. Die Wohnung war kalt, angespannt. Nina hörte auf zu kochen, wusch nicht, ließ Olegs Geschirr stehen, ignorierte seine Wäsche.

– Kein Waschpulver – sagte sie, als er klagte.

– Alle. Neues kaufen? Kein Geld.

Oleg schnaufte wütend, versuchte Schuldgefühle zu erzeugen.

– Du bist völlig verhärtet! – rief er.

– Ich arbeite, komme nach Hause in einen Schweinestall! Kein Essen, zerknitterte Hemden! Warum bist du so?

– Und warum bist du so? – fragte Nina, den Blick auf ihn gerichtet.

– Der Haushalt ist meine Aufgabe? Ich arbeite auch, ich erschöpfe mich auch. Warum nur ich?

– Weil du eine Frau bist! Das ist deine Aufgabe!

– Meine Aufgabe ist es, zu lieben und zu sorgen – wenn man sich auch um mich kümmert. Dieses „Spiel“ war einseitig. Vorbei.

Am Samstagmorgen weckte sie der Duft von gebratenem Würstchen und Eiern.

Nina ging in die Küche. Oleg saß am Tisch, aß Rührei mit Tomaten und Würstchen, dampfender Kaffee, daneben Butterbrot mit Käse.

Nina bemerkte, wie er fast würgte, doch sie sammelte sich schnell.

– Oh, bist du aufgestanden? – sagte sie. – Setz dich, wenn du willst. Ich habe ein bisschen Kleingeld im Wintermantel gefunden, bin einkaufen gegangen.

Sie setzte sich ihm gegenüber. Auf dem Tisch teures Würstchen, guter Käse, ein Dutzend ausgesuchte Eier. „Kleingeld?“ – dachte sie und lächelte.

– Danke, aber ich habe keinen Hunger – log sie. Wollte nur sehen, wie weit er geht.

Oleg kaute und wich ihrem Blick aus, doch der Hunger war stärker.

– Nini, lass uns das beenden. Ich habe bei Serega fünf geliehen. Hier, nimm, geh einkaufen. So kann man nicht leben.

Er legte den Schein auf den Tisch. Nina sah auf das Geld, dann zu Oleg.

– Bei Serega geliehen?

– fragte sie.

– Wie nett. Und zurückzahlen? Das Gehalt ist doch noch nicht da.

– Irgendwie! – gab Oleg zurück. – Ist doch deine Aufgabe, geh einkaufen.

Nina drehte den Fünfer in der Hand.

– Gut. Ich kaufe nur, was ich brauche. Du isst bei Serega, wenn du so großzügig bist.

– Was redest du?! – schrie Oleg. – Geld habe ich doch gegeben! Gemeinsam! Für die Familie!

– Gemeinsam? – stand Nina auf, die Stimme hart. – Und die 78.000 vor drei Tagen? Und die 345.000 auf deinem Konto? Der „Familienfonds“ für gierige Männer?

Oleg erstarrte. Blass, dann rot. Öffnete den Mund, schloss ihn, öffnete ihn erneut. – Du… du hast in meiner Tasche gewühlt? – zischte er schließlich. – Spioniert?

– Lenke nicht ab, Oleg – sagte Nina, die Hände in den Hüften. – Ich habe den Beleg nur gefunden, als ich deinen Mantel aufräumte. Und weißt du, was das Schlimmste ist? Nicht, dass du Geld verheimlichst.

Sondern dass du zugesehen hast, wie ich jeden Cent spare, auf alles verzichte, in alten Stiefeln laufe, und dabei ruhig meine Suppe gegessen hast, die ich mit meinem Geld gekauft habe! Schämt es dich nicht?

– Ich habe gespart! – schrie Oleg, schlug die Faust auf den Tisch.

– Ich habe gespart, um ein Auto zu kaufen! Dich überraschen! Und du… du bist egoistisch… siehst nur das Geld!

– Überraschung? – lachte Nina bitter.

– Überraschung heißt, ein Auto zu kaufen, ohne dass ich hungern muss. Überraschung heißt, gemeinsam entscheiden, wie wir sparen. Was du getan hast… ist kleinlich, egoistisch. Ich habe neben dir wie ein Parasit gelebt.

– Was verstehst du daran! Ich bin Mann, brauche ein Auto, sonst bin ich vor den Jungs ein Loser! Und du… mit der Hühnerleber… ein Monat gespart? Ich sterbe nicht!

– Du stirbst nicht – nickte Nina. – Aber etwas in mir ist gestorben. Mein Respekt vor dir. Mein Vertrauen.

Langsam legte sie das Geld auf den Tisch zurück, den Fünfer.

– Nimm dein Geld. Kauf dir ein Ticket.

– Wohin? – fragte Oleg verblüfft.

– In die strahlende Zukunft. Oder zu deiner Mutter. Oder eine Mietwohnung. Mir egal. Ich will nicht mehr mit einem Menschen leben, der mich als Dienerin und Narren sieht.

– Du schmeißt mich raus? Wegen Geld? – Oleg verstand die Welt nicht mehr.

– Nicht wegen Geld, Oleg. Wegen deiner Einstellung. Pack deine Sachen.

Oleg ging nicht sofort. Ein langer, ermüdender Streit folgte. Schreien, Vorwürfe, dann Versuche der Versöhnung. Nina blieb unerschütterlich. Zum ersten Mal sah sie ihn: gierig, kleinlich, hysterisch, fremd.

Am Abend packte Oleg seine Tasche.

– Du wirst es bereuen!

– warf er ihr zu.

– Wer kümmert sich mit fünfundvierzig um dich? Du wirst allein mit deinen Katzen hocken! Ich finde eine Frau, die ihren Mann schätzt!

– Viel Glück – sagte Nina und schloss die Tür.

Als sie das Klicken des Schlosses hörte, sank sie auf den Boden. Kraftlos. Sie wollte weinen, doch ihre Tränen waren erschöpft. Nur eine riesige, klingende Leere blieb.

In die Küche ging sie. Auf dem Tisch lag die einsame Aufschnittpackung von Oleg.

Nina griff zu und warf sie in den Müll. Der Kühlschrank war sauber, fast unberührt, nur ihre Box mit der Hühnerleber stand darin.

– Kein Problem – sagte sie laut. – Jetzt weiß ich wenigstens genau, wofür mein Geld weg war.

Zwei Wochen später stand Nina in ihrem Lieblingssupermarkt. Der Frühling hatte begonnen, Anfang Mai, die Fliederbüsche blühten, die Luft duftete frisch.

Sie füllte ihren Einkaufswagen: ein Glas roter Kaviar (im Angebot, aber trotzdem), ein Stück gereifter Käse, eine Flasche trockener Weißwein, frisches Gemüse, ein Stück Zanderfilet.

An der Kasse bezahlte sie mit ihrer Karte, auf der jetzt immer Geld war. Alleine zu leben war günstiger. Die Nebenkosten niedriger, Lebensmittel reichten länger.

Kein Bier, keine Zigaretten, kein „Gib mir Geld für Benzin“, kein „Ersatzteile“-Stress.

Zuhause schaltete Nina ihre Lieblingsmusik ein. Sie bereitete den Fisch zu, goss sich ein Glas Wein ein. Am Fenster sitzend betrachtete sie den Sonnenuntergang.

Das Telefon klingelte. Eine Nachricht von Oleg:

„Nini, hi. Wie geht es dir? Vielleicht könnten wir uns treffen, reden? Ich habe gemerkt, dass ich einen Fehler gemacht habe. Das Auto war Unsinn…

Das Geld ist noch da. Wollen wir neu anfangen? Ich vermisse dich.“

Nina blickte auf das Display, nahm einen Schluck von ihrem kalten Wein. Sie erinnerte sich an sein Gesicht, als er wegen der Hühnerleber schrie.

An die Demütigung, als sie um Waschpulver bat.

Sie löschte die Nachricht und blockierte die Nummer.

– Ich habe dich auch vermisst – sagte sie zu dem Spiegelbild ihres Gesichts in der dunklen Scheibe.

– Mich selbst habe ich vermisst. Ein normales Leben. Und das gebe ich nie wieder her.

Visited 641 times, 1 visit(s) today
Bewerten Sie diesen Artikel