Erschöpft und von einer bleiernen Traurigkeit erfüllt, fuhren sie durch die endlose, dunkle Nacht. Dasha spürte, wie ihr Herz schwer wurde, als sie auf die schneebedeckte Straße starrte.
Sie wusste es schon lange, aber die Worte der Ärzte aus Moskau hallten immer noch in ihrem Inneren nach: Sie konnte kein Kind bekommen.
Ihre vielen Versuche, die Hoffnung, die in jeder neuen Idee für eine Behandlung gelegen hatte, all das war ins Leere gelaufen.
Selbst eine künstliche Befruchtung war unmöglich – die Verklebungen in ihrem Körper und ihre Herzschwäche machten jeden Versuch zu einem Traum, der nie Realität werden würde.
Dicke Schneeflocken wirbelten durch die Luft, landeten auf dem Autodach und klebten am Fenster. Die Scheibenwischer arbeiteten monoton:
eins, zwei, eins, zwei – ein mechanisches Echo ihrer vergeblichen Mühen der letzten zehn Jahre. Jeder Wisch schien die gescheiterten Hoffnungen zu symbolisieren, die wie zerbrechliche Schneeflocken in der Hand zerschmolzen.
Dasha konnte nicht anders, als sich vorzustellen, dass jemand anderes vielleicht diese flüchtigen Träume in die Hand nehmen würde, ein Kind halten,
seine Stirn küssen, den Duft von Haaren und Milch riechen würde… jemand anderes. Und sie würde einfach zusehen müssen.
„Wir sollten unsere Beziehung beenden“, sagte Dasha schließlich leise, ihre Stimme kaum mehr als ein Flüstern, als sie auf die verschneite Straße blickte,
die nur als weißes, wirbelndes Nichts vor ihnen lag. „Du wirst eine Frau finden, die gesund ein Kind bekommen kann. Ich… ich könnte die Patentante eurer Kinder sein.
Du musst nicht wegen mir leiden.“
Andrey schwieg. Sein Kiefer war so fest zusammengepresst, dass seine Zähne knirschten, und seine Augen fixierten die weiße Wand aus Schnee vor ihnen.
Es schien, als würde der Sturm draußen seine Worte bestrafen, als habe der Himmel selbst Zorn auf sie. Dasha spürte die Schwere der Stille und das ungesagte Schmerzliche zwischen ihnen.
„Wir hätten besser in Moskau übernachten sollen… vielleicht in einem billigen Hostel…“, murmelte Andrey, doch sein Satz versank im Lärm des Schnees.
Sein Blick verfinsterte sich, und Dasha sah die aufgestaute Angst in seinen Augen.
„Was ist passiert?“ fragte sie vorsichtig.
„Das Navi ist kaputt“, knurrte er, als würde er gegen den Schneesturm kämpfen. „Zeig mir die Karte auf deinem Telefon. Wir sehen nichts.“
„Kein Empfang“, antwortete Dasha, ihre Stimme brüchig.
„Perfekt… einfach perfekt!“ entfuhr es ihm, und die Anspannung in seinem Körper war greifbar.
Dasha fühlte, wie ihre eigene Verzweiflung wuchs. Noch ein kleiner Moment, und die Geduld würde reißen. Sie versuchte, ruhig zu bleiben. „Vielleicht folgen wir den Straßenschildern?“ schlug sie vor,
während sie die schwach leuchtenden blauen Schilder durch den dichten Schneefall zu erkennen versuchte.
Die Welt draußen wirkte wie in Watte gepackt, die Motorhaube von einem weißen Vorhang aus Flocken bedeckt.

Bald jedoch blieb der Motor stehen. Das Auto weigerte sich, wieder anzuspringen, und Andrey stieg aus, um die Motorhaube zu öffnen. Seine Hände zitterten vor Kälte, sein Gesicht war angespannt.
„Die Batterie ist komplett leer“, sagte er schließlich, seine Stimme fast ein Flüstern.
„Und jetzt? Es ist schon zehn Uhr…“ Dasha spürte Panik in sich aufsteigen.
„Wenn du nicht spazieren gegangen wärst, wären wir längst zu Hause, und wir hätten diesen Schneesturm vermieden!“ fuhr Andrey auf.
„Schrei nicht! Was machen wir jetzt?“ fragte Dasha, während ihr Herz raste.
„Wir müssen zu den Häusern. Vielleicht kann uns jemand helfen, oder wir können dort bleiben…“
„Ich schlafe im Auto“, erwiderte Dasha.
„Wir würden erfrieren ohne Heizung! Wo ist meine Tasche?“
Sie gingen von Haus zu Haus, der Schnee knirschte unter ihren Füßen. Fast alle Türen blieben verschlossen, bis sie bei einem alten Haus angekommen waren.
Schließlich öffnete eine freundliche ältere Frau namens Tonja. „Kommt herein, aber seid leise, das Kind schläft“, sagte sie, ihre Stimme warm, fast wie ein Lichtstrahl in der dunklen Nacht.
Die Veranda war kühl, doch sauber und ordentlich. Der Duft von Sauerkraut lag in der Luft, und der heiße Tee dampfte in der Küche.
Tonja zeigte ihnen, wo sie ihre Mäntel ablegen konnten, und schenkte ihnen Tee ein.
Dasha konnte den Blick nicht von der alten Frau lösen: strahlend blaue Augen, leicht nach oben gebogener Nasenrücken, ein auffälliges Muttermal am Kinn.
Irgendetwas in ihr wirkte geheimnisvoll und beruhigend zugleich, als hätte sie die Fähigkeit, tief in die Seele zu blicken.
„Dein Herz trägt eine tiefe Wunde“, sagte Tonja und stellte zwei Wachskerzen und eine Schale Wasser vor Dasha. „Vielleicht kann ich dir etwas vorhersagen.“
Dasha nickte, ihr Herz schlug wild, eine Mischung aus Angst und Hoffnung. Tonja ließ den heißen Wachs ins Wasser tropfen.
Die Minuten zogen sich, jeder Tropfen wie ein kleines Versprechen. Das erste Bild ließ Tonja ernst werden, fast besorgt. Ein zweiter Versuch folgte. Schließlich,
mit zitternden Lippen, sprach sie: „In einem Jahr wirst du ein Kind bekommen. Ein Mädchen.“
Dasha hielt den Atem an. Ein überwältigendes Glück durchströmte sie, Tränen liefen lautlos über ihre Wangen. Endlich, nach all dem Schmerz, all den vergeblichen Versuchen, konnte sie die Freude spüren, die sie so lange für unmöglich gehalten hatte.
Die Monate vergingen, jeder Tag war erfüllt von stillem Staunen und wachsender Erwartung. Als schließlich der große Tag kam, hielten Dasha und Andrey ihre Tochter Olya in den Armen.
Das winzige, perfekte Wesen, das sofort „Mama“ zu Dasha sagte, war nun real, warm und lebendig. Sie war wirklich Mutter geworden.







