— Hier ist unser Lieblingsautomat! Drück drauf, Olga, damit alle satt werden! — Tamara Petrovna hob ihr Glas, und im Schein des Kronleuchters auf dem Land glitzerte das Glas wie flüssiges Licht.
— Olga gibt ihr Geld so leichtfertig aus wie Hühner Federn verlieren, und ihren Verwandten tut sie nie leid!
Die zwanzig Gäste, von denen ich die Hälfte nur ein- oder zweimal im Leben gesehen hatte, brachen in lautes Gelächter aus. Ich saß mit einem gezwungenen Lächeln da, während sich mein Herz immer enger zusammenschnürte.
Ich sah zu Pasha: Er lächelte, legte seine Hand auf meine Schulter. Ich konnte sehen, wie glücklich er war, wie zufrieden er mit dem gedeckten Tisch war,
mit dem auf dem Grill gebratenen Kalbfleisch, den überquellenden Reihen von Schinken und Austern.
Seine Mutter zufrieden, Pasha zufrieden, die Welt in Ordnung. Nur ich fühlte mich fremd, wie eine Dienerin auf meinem eigenen Fest.
Leise murmelte ich:
— Für den „Knopf“, Tamara Petrovna.
Ich nippte an meinem Fruchtsaft, ohne anzustoßen, und spürte, wie mein Lächeln langsam angespannt wurde.
Ich ahnte nicht, dass dieser scheinbar harmlose Scherz der Tropfen sein würde, der das Glas zum Überlaufen bringt, aber die Spannung im Raum war bereits spürbar.
Die Stunden tickten, und der „Bankautomat“ begann langsam zu zählen.
Kennt ihr dieses Gefühl, wenn alles auf euren Schultern lastet: Einkäufe, Kochen, Putzen, Gäste, jede kleine Kleinigkeit. Dann sitzt man am Tisch und fühlt sich wie eine unbezahlte Magd.
Pasha und ich sind seit fünfzehn Jahren verheiratet. Wir besitzen ein kleines Unternehmen, eine Kaffeekette. Wir sind nicht reich, aber wir können uns die Ruhe der „mittleren Mittelschicht“ bewahren.
Pasha ist für die Logistik zuständig, ich für die Finanzen und die Leitung. Irgendwie landeten im Laufe der Zeit auch alle finanziellen Angelegenheiten seiner großen Familie bei mir.
In dieser Nacht, nach Tamara Petrovnas Geburtstag, konnte ich nicht schlafen. Pasha schnarchte friedlich, ich saß in der Küche, begleitet vom leisen Summen des Kühlschranks. Ich öffnete die Banking-App, nur um sicherzugehen, dass alles wirklich so war.
— Überweisung an T.P. (Zahnarzt) — 38.000 Rubel
— Überweisung an T.P. (Urlaub, Sanatorium) — 72.000 Rubel
— Balkonverglasung für Mutter — 65.000 Rubel
Ich blätterte durch die Überweisungen und notierte die Beträge. Geschenke für die Nichten und Neffen meines Mannes (immer teure Gadgets, weil „Olga reich ist“), Autoreparaturen für meinen Schwager („Olga, leih mir Geld“),
Taxis für meine Schwiegermutter („Oh, der Bus ist stickig, bestell ein bequemes Taxi“), Lebensmittel für jedes Familientreffen.
Ich zog eine Linie darunter. Die Zahl auf dem Papier starrte mich wie ein Urteil an: 352.000 Rubel. Dreihundertzweiundfünfzigtausend in nur einem Jahr. Und das ohne die kleineren Ausgaben, die endlosen Kuchen.

Pasha betrat die Küche, blinzelte ins Licht und kratzte sich am Bauch.
— Warum schläfst du nicht, Olga? Es ist schon drei Uhr.
— Ich rechne aus, wie viel die Liebe zu deinem Mutter kostet, — antwortete ich ruhig, doch innerlich zitterte meine Stimme.
Pasha zog die Augenbrauen zusammen.
— Schon wieder damit? Das ist Familie. Wir müssen der Mutter helfen. Wir haben die Mittel.
— Ja, wir haben sie — nickte ich. — Wir hatten sie.
Er ging zurück ins Schlafzimmer. Er wollte die Zahlen nicht sehen. Es war bequem für ihn, in einer Welt zu leben, in der das Geld aus der Schublade kommt, die Mutter immer zufrieden ist, die Welt in Ordnung.
Ich starrte auf mein Notizbuch, die Zahlen glühten rot vor mir: Der „Bankautomat“ war überhitzt.
Ein halbes Jahr verging, mein Geburtstag näherte sich. Tamara Petrovna hatte bereits das „Pflichtfest“ in unserem Landhaus geplant.
Das Telefon klingelte. Die Stimme meiner Schwiegermutter klang fröhlich durch den Hörer:
— Olga, hier ist die Liste! Kauf drei Gläser Kaviar, den besten Sachalin, roten Fisch nach Pjotr Iljitschs Geschmack, Weine…
Ich legte die Taschen ab, der Flur roch nach nasser Straße und meiner eigenen Erschöpfung.
— Tamara Petrovna — unterbrach ich — in diesem Jahr ändern wir es. Der „Bankautomat“ ist wegen Wartung geschlossen. Unser Familienbudget ist null.
Stille am Telefon. Tamara Petrovna ist nicht gewohnt, unterbrochen zu werden.
— Wie bitte? — ihre Stimme war rau. — Die Gäste sind doch eingeladen!
— Wunderbar. Dann bringt jeder sein eigenes Essen mit oder zahlt jeweils fünftausend Rubel.
— Du… du willst mich bloßstellen?!
— Nein. Ich habe meine Wohltätigkeitsstiftung geschlossen, die nur um mich ging.
Zehn Minuten später stürmte Pasha nach Hause, sein Telefon klingelte unaufhörlich. Ich drückte ihm das Notizbuch in die Hand, zeigte die rot umrandeten Zahlen: dreihundertzweiundfünfzigtausend Rubel.
Stille. Nur die tickenden Uhren im Raum.
— Übertrieben, — flüsterte er schließlich, doch seine Stimme klang nicht mehr entschlossen.
An diesem Nachmittag brachten die Gäste ihr Essen, alle trugen bei. Die Atmosphäre war warm und echt. Der „Bankautomat“ war verschwunden, und die Liebe nahm eine neue, selbstlose, reine Form an.
Und ich dachte daran, dass man manchmal, um seine Familie zu retten, einfach rechtzeitig die Kasse schließen muss, denn Liebe ist nicht käuflich.







