„Siehst du denn nicht, wie erschöpft ich bin, und trotzdem sollst du noch das Kissen richten?“ Valeras Stimme klang, als wollte er all den Schmerz der Welt auf meine Schultern laden.
Dabei zeigte das digitale Thermometer unbarmherzig 37,2 Grad an.
Still richtete ich das Kissen. Valera litt, aber mit einer solchen Dramatik, dass jede kleine Beschwerde wie der Untergang der Welt wirkte.
Wenn ein Mann über 37 Grad Fieber hat, scheint die Welt stillzustehen, die Vögel verstummen, und die Ehefrau wird zum lautlosen Schatten, der mit Tablett in der Hand herumirrt.
„Meine Füße frieren“, jammerte er, während er die wollenen Socken hochzog,
die ich ihm letzten November gestrickt hatte. „Lyuda, ist das Hühnchen fertig? Ich brauche etwas Warmes, mein Körper verlangt danach.“
„Noch zehn Minuten, Valera“, antwortete ich, doch in meiner Stimme schwang das leise Zittern mit, das sich in den Jahren der Erschöpfung angesammelt hatte.
Ich schloss die Tür, um seine „Krankheitszeit“ nicht zu stören.
In der Küche hing der Duft von gekochten Zwiebeln – dieser unendliche Duft weiblicher Fürsorge, der mich seit dreißig Jahren begleitete. Zuerst pflegte ich die Kinder,
dann meine Mutter, jetzt meinen Ehemann, für den jeder kleine Zug von Kälte zur universellen Katastrophe wurde.
Es war 11 Uhr am Samstag. Draußen peitschte der nasse Schnee gegen das Fenster unter dem grauen Novemberhimmel.
In solchen Momenten möchte man sich lieber unter die Decke mit einem Buch kuscheln, anstatt zum zweiten Mal eine Hühnersuppe zu kochen, damit „das Fett nicht schwimmt“.
Sein Mantel hing im Flur, ein riesiger, dick gefütterter „Alaska“, den er erst vor einigen Monaten gekauft hatte. Am Ärmel klebte ein weißer Fleck. Kreide? Kalk?
„Könnte er wenigstens einmal sehen, wo er sich abstützt“, murmelte ich, doch statt des üblichen bitteren Lächelns war nun eine wütende, müde Stille in meiner Stimme.
Ich griff in die tiefe Tasche und spürte mit den Fingern einen harten Papierballen. Ich zog ihn heraus und glättete ihn auf meinem Knie.
Es war ein Beleg. Langes, gerolltes, hochwertiges Thermopapier.
„Wasserwelt-Geschäft. Yamaha 9,9-PS-Außenbordmotor…“
Meine Augen blieben an der Zahl hängen. Die Zahlen tanzten, bildeten eine unmögliche Kombination.
128.400 Rubel.
Mein Herz zog sich zusammen. Vielleicht waren meine Brillengläser in der Küche beschlagen? Nein. 128.400 Rubel. Mit Karte bezahlt.
Und das Datum.
15.11.2025, 18:45 Uhr.
Gestern.

Gestern Abend, als er von der Arbeit nach Hause kam, mit pochendem Herzen, sagte er: „Lyuda, mir ist kalt, ich fühle mich wie erkältet, ich habe nicht einmal Kraft,
die Schuhe auszuziehen.“ Damals bekam ich Angst, brachte ihm Tee, maß seinen Blutdruck…
Er jedoch hatte eine Stunde zuvor den dreißig Kilo schweren Motor getragen.
Ein kalter Schauer lief mir den Rücken hinunter. Nicht der Novemberwind, sondern die Kälte der Erkenntnis: Mein Mann hatte mich getäuscht, während ich über Jahre hinweg meine eigene Gesundheit und Ruhe angesammelt hatte.
Ich kannte diesen Betrag. Ich hatte anderthalb Jahre dafür gespart.
Es war der Preis meiner Zahnbehandlung, drei Zähne, die ich aufschob, auf die ich sparte, Unannehmlichkeiten ertrug, weil immer etwas wichtiger war:
das Auto, das Sommerhaus, die „Bedürfnisse“ der Familie.
Vor einer Woche hatten wir das Ersparte vom Konto genommen, ich legte es in einen blauen Umschlag in den Wäscheschrank. Valera wusste davon. Wir hatten vereinbart:
Am Montag würde ich die Anzahlung in der Klinik bezahlen.
Langsam, als würde ich träumen, ging ich ins Schlafzimmer, öffnete den Schrank mit den Bezügen. Der blaue Umschlag lag da.
Leer.
„Lyuda!“ – hallte es aus dem Wohnzimmer. Die Stimme klang jammernd, fordernd. – „Wie lange muss ich noch warten? Hast du mich vergessen?“
Ich stand mitten im Schlafzimmer, eine Hand mit dem leeren Umschlag, die andere mit dem Motorbeleg.
Etwas in mir zerbrach. Kein Schreien, keine Tränen. Nur dieses seltsame Gefühl, als hätte jemand den Schalter meiner Seele umgelegt. Klick – und Stille.
Dreißig Jahre lang war ich „die passende Lyuda“.
Lyuda, die versteht.
Lyuda, die wartet.
Lyuda, die noch ein weiteres Jahr ihre eigenen Unannehmlichkeiten erträgt, weil Valera Angeln, Stress, „Männerfreundschaften“ wichtiger sind.
Er nahm nicht nur das Geld. Er nahm meine gesamte Gesundheit, meine Geduld. Und jetzt liegt er da, hinter einer schwachen Maske, wissend,
dass er alles für sein Spiel ausgegeben hat.
Ich ging zurück in die Küche. Auf dem Herd blubberte die Suppe fröhlich, aber ich kochte nicht weiter. Goldgelb, durchsichtig, mit einem einzigen Dillzweig – genau wie er es mag.
Aber heute war es nicht für ihn.
Ich drehte das Gas ab, hielt den Topf am heißen Griff und goss die Früchte meiner Arbeit in das Spülbecken. Das Hühnchen platschte ins Wasser, die gekochte Karotte und Zwiebel folgten.
Ich drehte den Wasserhahn auf und spülte die Spuren meiner Arbeit ab.
Ich nahm das Handy, öffnete die Liefer-App und bestellte das teuerste Set des exklusivsten japanischen Restaurants:
Aal, Lachs, Muscheln, Kaviar. Bezahlt mit seiner Karte, die an mein Telefon für „Haushaltszwecke“ gebunden ist.
Die Bestellung wurde bestätigt. In 40 Minuten sollte der Kurier kommen.
Ich setzte mich an den Tisch, hielt den Beleg wie ein Gewicht in der Hand, und zum ersten Mal spürte ich, dass ich heute niemandem mehr gefallen muss.
Valera lag im Wohnzimmer, das Gesicht rot, verwirrt, wartete auf den gewohnten Service – doch nichts kam. Ich sah ihn an,
nahm die Essstäbchen in die Hand und begann jeden Bissen zu genießen.
Endlich spürte ich: Dieser Tag gehört nur mir.
Und wenn du in den Taschen nicht nur Kleinigkeiten findest, sondern eine ganze neue Chance, koche nichts, bestelle dein eigenes Vergnügen.
Denn du hast es verdient.







