Alíza stand vor dem Spiegel und strich sanft mit den Fingern über die dunkelroten Locken, die ihr über die Schultern fielen. Ihr Make-up betonte perfekt ihre Augen, der Lippenstift harmonierte mit ihrem Kleid,
und das smaragdgrüne Seidenkleid schmiegte sich geschmeidig an ihre Körperform, als sei es eigens für sie geschaffen worden. Jede Einzelheit hatte sie stundenlang perfektioniert;
jede kleine Bewegung zählte. Heute Abend musste alles perfekt sein. Es durfte keine Fehler geben.
Ilja legte seine Arme sanft um sie von hinten und flüsterte leise, aufmunternde Worte:
— Du siehst wunderschön aus. Meine Mutter wird begeistert sein.
Alíza schwieg und betrachtete ihr Spiegelbild. Seit fünf Jahren waren sie verheiratet, und noch nie hatte sie ein Wort der Anerkennung aus Marína Petrovnas Mund gehört.
Doch heute… heute könnte alles anders sein. Sie hatte so hart gearbeitet, dass es einfach nicht anders gehen konnte.
In den letzten Wochen hatte sie jede Bewegung, jedes Menü, jede Blumenarrangements immer wieder durchdacht.
Schon seit drei Wochen, seit Marínas Sturz auf dem Eis, wusste Alíza, dass dies ihre Chance war: endlich konnte sie zeigen, dass auch sie Aufmerksamkeit, Liebe und Respekt verdiente.
— Dieses Jahr feiern wir Silvester bei uns,
— sagte sie ins Telefon, bemüht, ihre Stimme selbstbewusst klingen zu lassen.
— Sie müssen nichts kochen, sich keine Sorgen machen… Ich kümmere mich um alles. Kommen Sie einfach und entspannen Sie sich.
Am anderen Ende herrschte eine lange, angespannte Stille.
— Nun… wenn du darauf bestehst. Aber hör zu, übertreibe es nicht mit den Gewürzen.
Den Olivensalat esse ich nur mit gekochter Wurst, und geräucherter Hähnchen ist ausgeschlossen.
Alíza notierte sich jedes Detail sorgfältig, dann folgten zwanzig weitere Punkte,
die die Schwiegermutter über eine halbe Stunde diktiert hatte, mit jedem Tonfall, jeder strengen Anmerkung.
Drei Wochen vergingen, und die Wohnung glänzte. Die Tischdecke war makellos gebügelt, die Blumen standen frisch in den Vasen, das Porzellangeschirr sorgfältig arrangiert.
Alles war perfekt, wie ein Gemälde. Das Menü hatte sie tagelang in Gedanken durchgeplant: Olivensalat mit gekochter Wurst, Shuba mit Roter Bete, kaltes Putenaspik, gebratenes Hähnchen mit Gemüse,
Pilz-Julienne, Kaviarhäppchen, Obstplatte, Napoleon-Torte. Zwei Tage lang stand sie in der Küche,
ihre Hände schmerzten, ihr Rücken pochte, unter den Augen bildeten sich dunkle Ringe. Ilja schaute mehrmals vorbei, sein Gesicht zeigte die Mischung aus Sorge und Liebe.
— Übertreibst du es nicht ein wenig? Bei meiner Mutter…
— fragte er leise.
— Alles wird gut,
— antwortete Alíza und versuchte, sich selbst zu glauben.
— Vertraue mir einfach.
Um acht Uhr klingelte es.
Alíza atmete tief durch, glättete ihr Kleid und öffnete die Tür. Marína Petrovna stand dort, elegant in einem grauen Kostüm, gestützt auf ihren Stock,
das Haar perfekt frisiert, das Make-up dezent und streng. Ihr Blick glitt prüfend über Alíza, dann schritt sie langsam in die Wohnung.

— Guten Abend,
— sagte Alíza und bemühte sich, ruhig zu wirken.
— Treten Sie bitte ein. Wie geht es Ihnen?
— Mein Fuß tut weh,
— antwortete die Schwiegermutter.
— Was sollen wir machen? Ilja, hilf mir beim Ausziehen.
Ilja half rasch, während Alíza den Mantel übergab. Ihr Herz klopfte bis zum Hals,
ihre Hände zitterten, aber sie zwang sich zu lächeln.
Als die Schwiegermutter das Wohnzimmer betrat, wurde jedes kleine Detail unter die Lupe genommen. Das Flackern der Lichterkette, die frischen Blumen,
die Makellosigkeit der Tischdecke – nichts schien ausreichend.
— Die Lichter flackern zu schnell, — sagte Marína Petrovna. — Das wird mir Kopfschmerzen bereiten. Und diese Blumen… Lilien? Ich bin dagegen allergisch.
— Keine Lilien, Alstroemerien, — antwortete Alíza, bemüht, ruhig zu bleiben. — Die Lichter flackern nicht, sie glitzern nur…
— Flackern, glitzern, — sagte die Schwiegermutter scharf. — Mach sie aus.
Alíza zog wortlos den Stecker. In ihrem Inneren fühlte sie, wie etwas zerbrach. Jede Stunde, jede mühsame Bewegung, jeder Tropfen Schweiß schien plötzlich sinnlos.
Das Dinner begann, und jedes Gericht wurde kritisch beäugt: zu viel Mayonnaise,
zu große Kartoffelwürfel, das kalte Aspik nicht fest genug, die Tortenschichten nicht ausreichend geschichtet.
Alízas Augen füllten sich mit Tränen, ihr Körper zitterte, doch endlich sprach sie mit fester Stimme:
— Genug!
— sagte sie entschieden.
— Fünf Jahre lang habe ich versucht, es allen recht zu machen, habe mich in allem bemüht, und nicht ein einziges Wort des Lobes habe ich gehört! Was ist das, wenn nicht Hass, der sich als Liebe tarnt?
Marína Petrovna erstarrte, Ilja trat einen Schritt zurück.
— Willst du mir jetzt sagen, was ich tun soll?
— fragte die Schwiegermutter, ihre Stimme zitterte vor Wut und Überraschung.
— Nein! — entgegnete Alíza, ihre Stimme war jetzt ruhig, aber bestimmt.
— Ich will nur, dass du weißt: Dieses Zuhause ist jetzt mein Reich.
Ich werde kein Opfer mehr sein. Ich werde Demütigung nicht länger ertragen.
Die Schwiegermutter öffnete den Mund, um zu sprechen, doch Alíza hob ihren Blick, und es entstand dieses tiefe Schweigen, nach dem sie all die Jahre gesucht hatte.
— Ich… gehe jetzt,
— sagte Marína Petrovna schließlich, stützte sich auf ihren Stock und nahm ihre Tasche.
— Ich habe verstanden.
Ilja folgte ihr, ihr leises Gespräch hallte noch kurz durch das Wohnzimmer. Alíza blieb im Raum stehen, hörte ihr Gehen und fühlte, wie eine gewaltige Last von ihren Schultern fiel.
Tränen stiegen ihr in die Augen, doch diesmal waren es Tränen der Befreiung, nicht des Schmerzes.
Ilja kehrte zurück, sein Gesicht zeigte Müdigkeit und Verständnis.
— Musste das sein? — fragte er leise.
— Ja, — sagte Alíza, und ihr Körper entspannte sich plötzlich aus der Anspannung. — Ja, es musste sein.
— Sie ist meine Mutter.
— Ich weiß, — lächelte Alíza leise, aber bestimmt. — Aber dieses Zuhause ist meines.
— Unser Zuhause, — korrigierte Ilja, legte seine Hand auf die ihre.
— Dann lass uns etwas klarstellen,
— sagte Alíza und richtete den Blick auf das Essen auf dem Tisch.
— Ich bin die Herrin dieses Hauses. Und diese Grenze — die ich vor fünf Jahren hätte ziehen sollen — schützt nun endgültig unser Zuhause.







