„Weißt du, Kostja, mit diesen Rechnungen stimmt etwas ganz und gar nicht“, sagte Tatjana Markowna mit leiser, müder Stimme, während sie sorgfältig die Krümel des Kuchens von ihren Händen wischte.
In ihrem Gesicht lag ein widersprüchlicher Ausdruck – ein Hauch von Zufriedenheit, gemischt mit tiefer, kaum verbergbarer Traurigkeit. „In diesem Monat sind sie besonders seltsam.“
Dann, als suche sie verzweifelt nach einem Halt, wandte sie sich hastig Ljuda zu, und für einen kurzen Moment leuchteten ihre Augen auf.
„Aber dieser Kuchen… Ach, mein Kind, wie schaffst du es nur immer, so etwas Wunderbares zu backen?
Mit Fleisch, mit Kohl, süß – es ist ganz egal, jeder einzelne schmeckt, als hättest du dein Herz hineingelegt. Sagst du mir endlich das Rezept für den Teig?“
„Mama, was genau ist daran seltsam?“ fragte Kostja, etwas schärfer, als er es eigentlich wollte.
„Woran?“ Tatjana Markowna blickte ihn erstaunt an. „An den Kuchen?“
„An den Rechnungen“, seufzte er. „Davon hast du doch gerade gesprochen.“
„Ach so… ja“, nickte sie langsam. „Die Beträge sind schon wieder höher. Vielleicht haben sie sich verrechnet. Man müsste hingehen und nachfragen.“
Die Porzellantassen klirrten leise, als sie aneinanderschlugen.
Die Wohnung war warm, hell und erfüllt vom Duft frisch gebackenen Kuchens, doch dennoch lag etwas Schweres, Ungesagtes in der Luft, eine Traurigkeit, die niemand auszusprechen wagte.
„Mama, was gibt es da zu klären?“ winkte Kostja ab. „Alles ist teurer geworden. So ist das jetzt.“
„Das sagt sich leicht für jemanden, der noch arbeitet“, antwortete Tatjana Markowna ruhig und schob ihre leere Tasse von sich.
„Ich habe schon vorher jeden Cent umgedreht. Und jetzt… manchmal habe ich das Gefühl, als würde mir langsam der Boden unter den Füßen weggezogen.“
„Red keinen Unsinn“, versuchte Kostja sie zu beruhigen. „Wir helfen dir doch.“
„Ihr helft…“, wiederholte sie leise. „Aber es tut trotzdem weh, zu begreifen, dass man es nicht mehr allein schafft.
Die Medikamente gehen zur Neige, die Preise steigen, und ich fühle mich mit jedem Tag ein bisschen weniger wert.“
„Hast du mit Papa gesprochen?“ fragte Kostja vorsichtig.

Tatjana Markownas Gesicht verhärtete sich.
„Erwähne ihn nicht“, sagte sie mit stockender Stimme. „Sprich nicht von dem Mann, der mir die Hälfte meines Lebens genommen hat.“
„Mama, ihr seid schon lange getrennt…“
„Ich habe ihn geliebt“, fiel sie ihm ins Wort, ihre Stimme zitterte. „Verstehst du? Ich habe ihn geliebt. Und jetzt ist da nur noch eine leere Wohnung und Erinnerungen.“
Ljuda spürte, dass Tatjana Markowna längst nicht mehr mit ihnen sprach, sondern mit sich selbst. Hastig reichte sie ihr ein Blatt Papier.
„Hier ist das Rezept.“
„Jetzt ist es egal“, winkte Tatjana Markowna ab. „Mein Blutdruck ist gestiegen. Alles kommt auf einmal: das Alter,
die Krankheiten, das Geld, das nie reicht. In solchen Momenten begreift man, wie allein man wirklich ist.“
Sie stand auf, griff nach ihrer Tasche und drehte sich an der Tür noch einmal um.
„Ljuda, pack mir ein paar Stücke Kuchen ein. Das wird mein Abendessen. Mein Kühlschrank ist sowieso leer.“
Als sie gegangen war, wirkte die Wohnung plötzlich unheimlich still.
„Das ist zu viel“, sagte Kostja erschöpft.
„Sie ist nicht böse“, antwortete Ljuda leise. „Sie hat einfach schreckliche Angst.“
Tatjana Markowna hatte ihr ganzes Leben gearbeitet. Morgens war sie früh aufgestanden, hatte Termine eingehalten, Verantwortung getragen. Und dann, eines Tages – eine Abschiedsfeier, Applaus, Blumen.
Am nächsten Morgen wartete niemand mehr auf sie. Das Telefon klingelte nicht. Die Tage wurden endlos, die Abende noch länger.
Nicht lange danach stand sie eines Abends wieder vor der Tür.
„Ich habe entschieden“, sagte sie bestimmt. „Ab jetzt esse ich bei euch.“
„Warum?“ fragte Ljuda fassungslos.
„Weil ich kein Geld für Essen habe“, antwortete Tatjana Markowna. In ihrer Stimme lag kein Vorwurf, nur nackte Verzweiflung.
„Mama, ich bezahle doch die Nebenkosten“, sagte Kostja.
„Und?“ fuhr sie auf. „Heißt das, ich darf mir nichts mehr wünschen? Keine kleine Freude? Ein bisschen Aufmerksamkeit? Zähle ich denn gar nicht mehr?“
„Doch, das tust du“, sagte Kostja. „Aber wir brauchen auch unseren Raum.“
Tatjana Markowna antwortete nicht. Sie ging einfach. Das Zuschlagen der Tür hallte noch lange in Ljudas Kopf nach.
In dieser Nacht konnte Ljuda nicht schlafen.
„Sie will kein Essen“, sagte sie schließlich zu ihrem Mann. „Sie will einen Sinn.“
Eine Woche später rief sie Tatjana Markowna an und erzählte ihr von ihrer Idee. Die alte Frau schwieg lange.
Sie hatte Angst vor der Nacht, vor fremden Menschen, vor dem Neuen. Doch am nächsten Tag rief sie zurück.
Sie begann als Nachtpförtnerin in einem Studentenwohnheim zu arbeiten.
Die ersten Wochen waren schwer, doch jeden Morgen kam sie mit einem Lächeln nach Hause.
Die Studenten grüßten sie, fragten, wie es ihr ging, bezogen sie in ihre kleinen Geschichten ein. Sie wurde wieder gebraucht.
„Meinst du, dieses Kleid steht mir?“ fragte sie Ljuda eines Tages.
„Du siehst wunderschön aus“, antwortete ihre Schwiegertochter.
Tatjana Markowna ließ sich die Haare schneiden, brachte neue Farben in ihr Leben, und nach und nach wich das Klagen einer stillen Dankbarkeit,
weil sie endlich wieder spürte, dass sie lebte.







