Anton stand starr im Wohnzimmer, das Handy in der Hand, die Tasche lag auf dem Boden, als hätte die Last der ganzen Welt auf ihm gelegen. Lenas Stimme hallte noch immer in seinen Ohren,
leise und zerbrechlich, doch in jedem Wort lag Schmerz: „Deine Mutter hat angerufen… und Swetka kommt morgen Abend mit den Kindern zum Ferienhaus.“ Ein beklemmendes Gefühl kroch ihm in den Magen,
etwas, das er in einem halben Jahr harter Arbeit nie zuvor gespürt hatte.
— Lena, ich… — begann er, doch die Worte blieben ihm im Hals stecken.
— Meinst du das ernst? — ihre Stimme zitterte, dann wurde sie hart. — Wir hatten es doch abgemacht! Du sagst niemandem etwas!
— Ich habe doch niemandem etwas gesagt — sagte Anton und hob die Hände, um sich zu verteidigen. — Nur Mama, dass wir an den Feiertagen nicht in der Stadt sein werden.
— Natürlich, und sofort hat sie alles deiner Schwester erzählt — Lena lächelte bitter, ihr Gesicht verriet Wut und Enttäuschung. — Ich sehe es schon vor mir:
„Stell dir vor, Anton und Lena haben ein Ferienhaus, sie verbringen Silvester zu zweit… wie egoistisch!“
Anton schwieg. Er wusste, dass jedes Wort jetzt überflüssig wäre. Swetka hatte schon immer so getan, als würde sich die Welt um sie drehen.
Igor war immer da, um die Vorteile der Situation zu genießen. Und jetzt würden sie mit den Kindern kommen, und die Ruhe zerstören, die sie sich mühsam aufgebaut hatten.
Ein halbes Jahr. Sechs Monate anstrengende, ermüdende, aber wunderbare Arbeit. Im Frühling, als Tante Nina gestorben war, rief Lenas Mutter spät am Abend an.
Die Tante hatte ihr Haus Lena vermacht: ein altes, verfallenes Holzhaus am Rande eines Waldes bei Moskau, das schon lange verfallen war.
Der Garten war überwuchert, das Bad verfallen, das Gewächshaus rostig. Lena weinte. Sie hatten die Tante selten gesehen, aber Lena hatte sie sehr geliebt.
— Vielleicht sollten wir es versuchen — sagte Lena damals, wischte sich die Tränen aus den Augen.
— Vielleicht können wir es wieder herrichten… Wir hatten nie einen Ort, an den wir der Welt entfliehen konnten.
Anton stimmte sofort zu. Der Lärm der Stadt, die ständigen Renovierungen der Nachbarn, die anstrengende Arbeit
— alles hatte ihn erschöpft. Ein eigenes Haus, Ruhe, Wald, frische Luft
— das alles elektrisierte ihn, gab Hoffnung und Vorfreude.
Sie versprachen, niemandem etwas zu sagen. Jedes Wochenende fuhren sie hinaus.
Zuerst räumten sie Trümmer weg, dann folgten die Reparaturen. Anton strich, legte neue Leitungen, flickte das Dach.
Lena schrubbte, tapezierte, suchte Möbel auf Flohmärkten und online. Kein Urlaub, keine Pause, nur Arbeit, Erschöpfung, Durchhaltevermögen und Träumen.

Im August war die Veranda fertig. Lena strahlte, ihre Augen glänzten: „Stell dir vor, hier werden wir Silvester verbringen!“
— Wir haben keinen Kamin — bemerkte Anton.
— Dann werden wir einen haben! — lachte Lena und umarmte ihn so fest, dass ihr ganzer Körper zitterte.
Und so geschah es. Im Oktober, als sie das erste Mal Feuer machten,
saß Lena auf dem Boden vor den tanzenden Flammen und weinte vor Glück, die Tränen liefen ihr unaufhörlich übers Gesicht.
— Das ist unser Ort — flüsterte sie. — Der erste, der wirklich uns gehört.
Bis Dezember war alles fertig. Ein warmes, duftendes Haus, mit frischem Holz, dicken Vorhängen, Kerzenlicht.
Lenas Traum von Silvester wurde erfüllt: Schnee, Stille, zu zweit, am Kamin.
Und jetzt war all das in Gefahr.
— Ich will sie nicht sehen! — brach sie heraus, die Stimme zitterte, die Augen waren rot. — Wenn sie kommen, gehe ich nicht!
Anton schwieg. Er wusste, dass sie recht hatte. Swetka verhielt sich immer so, als hätte sie Anspruch auf alles. Antons Herz zog sich zusammen bei der Erkenntnis, dass er jetzt entscheiden musste, wen er wirklich liebte, wer für ihn am wichtigsten war.
— Sie ist meine Schwester — sagte er leise.
— Und ich bin deine Frau — erwiderte Lena, die Augen feucht, aber bestimmt. — Ich bitte dich nur um drei Tage. Nur dich.
Fünf Minuten gab er ihr. Mit zitternden Händen rief Anton Swetka an. Das Gespräch eskalierte in Schreien und Vorwürfen, doch er blieb standhaft. Er sagte, dass sie nicht kommen dürften.
Legte das Telefon auf. Zum ersten Mal sagte er „Nein“, zum ersten Mal stand er ganz für sich und seine Frau ein.
Seine Mutter schrieb eine Nachricht, Anton antwortete nicht. Er wandte sich nur Lena zu, die zurückkam und ihn weinend umarmte, während Erschöpfung,
Angst und Sorge zugleich über sie hereinbrachen.
Zwei Tage später standen sie auf der Veranda, in Decken gehüllt, unter dem Sternenlicht. Der Kamin knisterte,
in der Luft mischten sich Tannenduft, Orangen und gebratenes Huhn. Anton spürte Lenas warmen Körper, hörte ihr leises, glückliches Seufzen.
— Bist du glücklich? — fragte Anton und hielt sie im Arm.
— Ja — lächelte Lena, und Anton spürte, wie jede Anspannung, jeder Kampf und jede Angst verschwanden. — Unendlich.
Um Mitternacht stießen sie an und traten in das warme, duftende Haus, in dem nur sie beide existierten.
Und Anton spürte in diesem Moment wirklich, dass dieser stille, gemeinsame Augenblick das wahrhaftigste Geschenk ihres Lebens war.







